Nachhaltige Verkehrspolitik:
Position der ödp zur elektrischen Mobilität
Wir treten ein für eine solare Mobilität als Teil einer ganzheitlichen solaren (regenerativen) Energiestrategie.
Verfasst von Tomi Engel/Jürgen Osterlänger
Im effizienten solaren Energieverbund
- sind Häuser gemäß EnEV gut gedämmt, regelungstechnisch optimiert und sie brauchen nur wenig Energiezufuhr von aussen
- verteilen Nahwärmenetze die Abwärme von Kraftwerken
- ist elektrischer Strom die dominierende Energie
- erfolgt Kurzstrecken-Mobilität mit Strom
- wird Biomasse bevorzugt über Biogasnetze verteilt und in Wärme-Kraft-Heizungen verstromt
- stabilistiert Biomasse das regionale Stromnetz (Spitzenlast, Minutenreserve, Tagesreserve)
- stabilisieren Elektroautos mit ihren Batterien das lokale Stromnetz (Primärregelung, Sekundenreserve, Notstrom)
Elektrische Antriebe sind im Verkehr nichts Neues: Straßenbahnen und Züge fahren schon lange mit Strom. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Verknappung von Erdöl erlebt das Elektroauto in Kombination mit Erneuerbaren Energien sein Comeback: Leise, effizient und ohne lokalen Schadstoffausstoß bietet es eine Alternative zu konventionellen Erdölautos.
Ein paar Hintergründe:
Traditionell wird der Verkehr nicht als Bestandteil des Energiesektors verstanden, sondern als eigenständiger Bereich behandelt. Die Mobilität ist in Deutschland zwar nur für rund 20% der Brennstoffverbräuche verantwortlich, doch sie ist dabei zu mehr als 95% vom Erdöl abhängig. Bei der Suche nach Alternativen, vor allem nach solaren Alternativen zum Erdöl, zeigt sich jedoch sofort, dass der Treibstoff- mit dem Strom- oder Wärmemarkt um die gleichen Ressourcen konkurriert. Gerade eine solare Lösung für den Verkehr muss deshalb die Frage nach dem Treibstoff der Zukunft als Bestandteil einer einzigen übergreifenden Energiefrage und Effizienzstrategie sehen.
Den kostbaren elektrischen Strom gibt es in Zukunft im Überfluss, aber nur selten gezielt abrufbar. Chemisch gespeicherte Energie wird dagegen zur Mangelware, denn nur noch die Biomasse kann diese
Form der Energie bieten, an die wir uns im Zeitalter von Kohle, Erdöl und Erdgas gewöhnt haben.
Wenn man über solare Mobilität nachdenkt, sollte man sich deshalb auch von den Strukturen der fossilen Mobilität lösen und erstmal die Eigenheiten der solaren Energiesysteme betrachten.
Die Ernte solarer Energie aus Wind, Wasser und Licht, aber auch die von Biomasse, ist vom Wetter abhängig. Nur Geothermie und Bioenergie kann vergleichsweise einfach saisonal gespeichert und bei Bedarf abgerufen werden. Biomasse sollte deshalb vor allem in Wärme-Kraft-Kopplung zu Heizzwecken und zur Regelung der Stromnetze genutzt werden.
Elektrische Mobilität ist eine Effizienzstrategie
Der Verbrennungsmotor ist heute bereits sehr effizient, wenn nicht sogar komplett ausgereizt. Natürlich kann man kleinere und leichtere Autos bauen oder ganz auf das Auto verzichten. Aber die einzige Möglichkeit, noch mehr Effizienz in den Antrieb von Fahrzeugen zu bringen besteht letztlich darin, das alte System zu verlassen und auf einen anderen Motor umzuschwenken: den Elektromotor.
Resourceneffizienz - Faktor 2 bis 4
Geht man von der gleichen Menge Treibstoff aus, zum Beispiel Erd- oder Biogas, so kann man mit dem gleichen Fahrzeugtyp heute mehr Kilometer zurücklegen, wenn man den Treibstoff in einem Kraftwerk zu Strom umwandelt und dann elektrisch fährt. Der Vorteil ist besonders gross - nahezu Faktor 4 - wenn man vorwiegend den Energiebedarf für Fahrten innerorts betrachtet.
Die stationäre Verstromung von Brennstoffen erlaubt zusätzlich die Nutzung der Abwärme und vermeidet auch die energieaufwendige Umwandlung von fester Biomasse in flüssige Biotreibstoffe. Diese Effizienzvorteile sind im obigen Faktor 2 bis 4 noch gar nicht berücksichtigt.
Flächeneffizienz - Faktor 20 bis 100
Betrachtet man die Anzahl der Fahrzeuge, die von einem Hektar Fläche versorgt werden können, so ist die "Ernte" von elektrischer Energie um ein vielfaches effizienter. Zudem steht diese "Treibstoffproduktion" nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion oder dem Natur- und Artenschutz. Solaranlagen können zudem besonders gut auf Gebäuden, Parkplätzen und Garagen montiert werden, wo gar keine Pflanzen wachsen können.
Elektroautos ermöglichen zudem so die massive Ausweitung der Nutzung von Bioenergie in der Wärme-Kraft-Kopplung, da diese Anlagen die gleichen Motoren verwenden, wie heutige Autos und damit auch auf die gleichen Energieträger (Pflanzenöl, Biogas, ...) angewiesen sind.
Natürlich wird es immer Mobilitätsprobleme geben, die nach Biotreibstoffen verlangen. Dies gilt sowohl für die Land- und Forstwirtschaft als auch den Schwerlast-, Schiffs- und Flugverkehr. Doch für die typischen Kurzstrecken bis 50 km, die man meist individuell mit dem Zweirad oder PKW zurücklegt, sind Biotreibstoffe höchstens eine Migrations- oder Krisenstrategie, aber keine Effizienz- oder Zukunfts-Strategie.
Als Regelenergiekraftwerke versteht man Stromerzeuger und Stromverbraucher, die nach Bedarf aktiviert werden können. Mit diesen Kraftwerken wird die im Stromnetz notwendige Deckungsgleichheit von Angebot und Nachfrage herbeigeführt. Wären alle 45 Millionen PKWs in Deutschland mit bidirektionalen Ladegräten zur intelligente Netzintegration ausgestattet, so hätte man die Regelenergieleistung von mehreren hundert (!) Pumpspeicherkraftwerken.
Wir wollen
Wer maximale solare Energieeffizienz will, kommt am Elektroauto nicht vorbei. Hat man das Elektroauto, so hat man automatisch auch einen Stromspeicher. Daraus ergeben sich in einer Erneuerbaren Energiestruktur eine Vielzahl von faszinierenden Möglichkeiten. Die Idee ist eigentlich schon über 100 Jahre alt und mit heutigen Elektrofahrrädern, Leichtelektrofahrzeugen, Batterie-Elektroautos und Plug-In Hybrid Fahrzeugen wollen wir den zügigen Einstieg in diese neue Struktur einleiten.
Die ödp unterstützt:
- die Einführung einer Plakette zur Kennzeichnung von Nullemissionsfahrzeugen (Stichwort: Rechtssicherheit für die Verwaltung)
- eine zeitlich befristete Parkraumbevorzugung von Nullemissionsfahrzeugen in Städten (Stichwort: Nutzervorteile zur Markteinführung)
- die Förderung einer Ladeinfrastruktur in der Form eines öffentlichen Stromstellennetzes _ vor allem an Verkehrsknotenpunkten (Stichwort: Lenkung des ruhenden Verkehrs)
- die Schaffung eines KfW "CO2-Sanierungsprogramms für den Mobilitätssektor" (Stichwort: Finanzierung von Akkus für Elektroautos)
- die Kopplung der Elektromobilität an Erneuerbare Energien (Stichwort: CO2-basierte KFZ-Steuer und eine schadstoffbasierte Fahrstromsteuer)
Autoren:
Tomi Engel http://www.objectfarm.org/Solarkonzepte/Mobilitaet/V2G/V2G_Regelenergiek...
http://www.dgs.de/fasm-termine.0.html
und Jürgen Osterlänger
21.12.2009

