04.05.2017

„100 Prozent Erneuerbare Energien für abgasfreie Städte. So gelingt’s!“

Europaabgeordneter Prof. Dr. Klaus Buchner (ÖDP) referierte in Lüdenscheid

Foto: Christina Grégoire

Foto: Christina Grégoire

„Alle benötigte Energie kann aus erneuerbaren Quellen gewonnen werden.“
Über die Möglichkeiten, die Energieversorgung Deutschlands komplett auf eine emissionsfreie Produktion umzustellen, sprach Prof. Dr. Klaus Buchner, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP), bei seinem Vortrag am 2. Mai im Kulturhaus in Lüdenscheid.

Trotz Energiewende trägt Stein- und Braunkohle heute immer noch zu knapp einem Viertel zum Primärenergieverbrauch in Deutschland bei. Der Anteil der Kernenergie betrug 2016 knapp sieben Prozent. Auch wenn der Anteil der Erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch von 1,3 Prozent im Jahr 1990 auf 12,6 Prozent im Jahr 2016 angestiegen ist, bleibt immer noch sehr viel zu tun, um Deutschland komplett auf grünen Strom umzustellen. Dabei stellt jeder Tag, den die Umstellung dauert, ein Risiko für die Bevölkerung dar.  

Der Europa-Abgeordnete führte in seinem Vortrag einige Beispiele von schweren Störfällen in deutschen Atomkraftwerken an, bei denen nur durch Glück ein Super-GAU verhindert werden konnte. „Kinder unter fünf Jahren, die in einem Fünf-Kilometer-Radius um deutsche Atomkraftwerke wohnen, erkranken um 53 Prozent häufiger an Krebs als in vergleichbaren Gebieten“, so Prof. Buchner. Die Stromproduktion aus Kohle feuert aufgrund von CO2-Emissionen den Klimawandel an, darüber hinaus werden durch den Braunkohle-Tagebau große Gebiete verwüstet.  

„Um Gesundheitsschäden durch Luftverschmutzung und Radioaktivität zu vermeiden, brauchen wir die Energiewende“, so Prof. Buchner, der auch auf die sehr hohen Subventionen für die Kohle- und Atomindustrie hinwies. „Die Sonneneinstrahlung auf einer Fläche von 750 mal 750 Kilometer reicht aus, um den Energiebedarf der gesamten Erde zu decken“, erklärte der ÖDP-Politiker. Darüber hinaus stellt auch die Einsparung von Energie einen wichtigen Bestandteil der Energiewende dar. Falls die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, kann die Energie gespeichert werden, damit sie zur Verfügung steht, wenn sie gebraucht wird. Als Beispiele nannte Prof. Buchner Pumpspeicher, Wärmespeicher in Privathaushalten sowie Stromspeicher (Batterien). Sehr vielversprechend ist die Entwicklung im Bereich der chemischen Speicher, die es ermöglichen, Energie in großen Mengen zu speichern. Hierbei spielen Wasserstoff und Methan eine wichtige Rolle. Für den Autoverkehr sind Wasserstoff und Brennstoffzellen eine gute Alternative zum Benzin- oder Dieselmotor. Damit erreicht man deutlich höhere Reichweiten als mit batteriebetriebenen Elektroautos. In Belgien wird gerade ein Tankstellennetz für Wasserstoff aufgebaut.  

Prof. Buchner ist der einzige Kernphysiker im Europäischen Parlament und beschäftigt sich seit Langem mit allen Fragen rund um das Thema Energie. Von 2003 bis 2010 war er Bundesvorsitzender der Ökologisch- Demokratischen Partei (ÖDP). Bei der Europawahl im Mai 2014 wurde der Münchner ins Europäische Parlament gewählt. Er ist dort Mitglied der Fraktion Grüne/Europäische Freie Allianz.