Elektromobilität um jeden Preis?

Warum Grünheide gegen Tesla protestiert

 

von Jorgo Chatzimarkakis

Für oder gegen Tesla in Brandenburg? Eine Frage, die auch viele ÖDP-Mitglieder umtreibt. „Meistens macht es Sinn, sich die Dinge selber anzuschauen“, dachte sich Jorgo Chatzimarkakis, Landesvorsitzender der ÖDP Saar und machte sich auf den Weg nach Grünheide, wo ein Gigant der Elektromobilität namens Tesla sich anschickt, bis zu 500.000 Elektroautos jährlich zu produzieren. Die für Tesla vorgesehene Fläche besteht zwar nicht aus traditionellem Wald, sondern aus einer Nadelbaumplantage, aber es geht eine Plantage, die eine unversiegelte Fläche darstellt. „In Grünheide, Brandenburg kann man sehr gut sehen, dass moderne Industriepolitik oftmals einhergeht mit blindem Versiegelungswahn. Für Tesla mussten unzählige Hektar Kiefernbepflanzung weichen“, so Chatzimarkakis, dessen Großeltern mütterlicherseits aus Brandenburg stammen.

Auch eine Kiefernbepflanzung hat eine wesentliche ökologische Rolle. Sie war Voraussetzung, um den ausgelaugen Boden nach Übernutzung und Krieg überhaupt wieder so aufzuwerten, dass er einen Mischwald tragen kann. „Wir können es uns ökologisch nicht leisten, Kiefernwald wegzuschmeißen - er ist die Grundlage für neuen Wald und nicht nur CO2-Speicher.“

Das Gebiet liegt direkt an der Autobahn A10. Tesla erhält das 300-Hektar-Grundstück für sein Autowerk in Brandenburg offenbar zu vergleichsweise günstigen Konditionen. Im Kaufvertrag sei die Summe 40,91 Millionen Euro verabredet worden, berichtet die Nachrichtenagentur DPA. Sie bezieht sich auf eine Vorlage für den Brandenburger Landtags-Haushaltsausschuss. Mit knapp 41 Millionen Euro zahle der US-Elektroautobauer einen Quadratmeterpreis von 13,52 Euro für das Areal in Grünheide.

Das, obwohl direkt nebenan eine große Brachfläche nahezu ungenutzt vor sich „hingammelt", die auf der Karten als GVZ Berlin Ost Freienbrink gekennzeichnet ist. Es ist offensichtlich, dass diese Brachfläche nicht ausreichen würde für die Groß-Investition. Sinnvoll wäre jedoch die Ansiedlung auf einer bereits erschlossenen oder leicht zu erschließenden Brache bei Berlin, wenn Tesla schon nicht in die Lausitz will, wo durch den Ausstieg aus der Braunkohle natürlich viele Brachflächen zur Verfügung stehen. Auch wenn diese möglicherweise nicht so leicht zu erschließen sind, so macht es aus ökologischer Sicht viel mehr Sinn“, so Chatzimarkakis.

„Der Kern unserer Argumentation ist, dass wir nichts gegen die Produktion von Elektroautos haben, dass wir aber keine blinde Abholzung wollen, keine neue Versiegelung. Stattdessen wollen wir die Nutzung bereits versiegelter Flächen durch die Nutzung von Brach-Flächen. Genau das wäre sehr leicht möglich gewesen und das ist bislang nicht erfolgt.“

Hinzu komme das Problem der Wasserversorgung, die in Brandenburg schon für die Kiefernplantagen unzureichend war, wie die vergangenen Sommer gezeigt haben. „Warum sind wir Menschen so kurzsichtig?“, fragt Chatzimarkakis. „Lasst uns Versiegelungen stoppen, lasst uns gleichzeitig versiegelte Flächen einer neuen Nutzung zuführen. Grünheide ist ein offensichtliches Beispiel, wo das Naheliegende geflissentlich aus Profitgier übersehen wurde.“

"Planet vor Profit!“, ist die Losung, die uns aus dem Dilemma einer ungebremsten Umweltzerstörung führt. Hierfür steht die ÖDP, die sich auch durch vermeintliche Umweltfreunde wie Tesla nicht vom Kern der Nachhaltigkeit ablenken lässt.

Jorgo Chatzimarkakis


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