10.01.2017

Gefahren der Atomkraftwerke Doel und Tihange in Belgien

Stellungnahme des Europaabgeordneten Prof. Dr. Klaus Buchner (ÖDP)

In unserem Nachbarland Belgien sind zwei Atomkraftwerke am Netz, die die Bevölkerung Deutschlands und insbesondere Nordrhein-Westfalens massiv gefährden. Die Reaktoren in Doel und Tihange kann man nicht anders als als Schrottmeiler bezeichnen. 2012 fanden sich an beiden Standorten Unmengen kleinster Risse und Blasen im Stahl der Reaktor-Druckbehälter. Tihange 2 und Doel 3 wurden daraufhin vom Netz genommen, nach einer Inspektion aber wieder hochgefahren. Die belgischen Behörden betonen, beide Atomkraftwerke seien sicher, doch in Wirklichkeit bedrohen sie die Gesundheit von Millionen von Bürgerinnen und Bürger in einer der am dichtesten besiedelten Regionen der Erde.

Die Haarrisse sind bei Belastungen, wie sie bei Störfällen entstehen, eine große Gefahr. Denn die Risse können sich dann vergrößern und einen Bruch des Druckbehälters zur Folge haben. In Tihange 2 wurden 3.000 Risse gezählt, und Doel 3 sogar 19.000. Manche haben eine Länge von 15 cm. In solchermaßen beschädigten Druckbehältern muss das Kühlwasser vorgewärmt werden, um im Notfall einen Thermoschock zu vermeiden. Ein geborstener Druckbehälter ist das Schlimmste, was in einem Atomkraftwerk passieren kann. Bei einem GAU, verursacht durch einen Bruch eines Reaktor-Druckbehälters, wäre Nordrhein-Westfalen aufgrund der vorherrschenden Westwinde besonders betroffen. Aachen liegt nur 60 Kilometer von Tihange entfernt und könnte bei einem schweren Unfall unbewohnbar werden.

Leider gibt es keine europäische Atomaufsicht, denn Energiefragen sind in der Europäischen Union Ländersache. Bei der zuständigen Behörde in Belgien ist die gebotene Unabhängigkeit von Politik und Wirtschaft aufgrund mehrerer Berichte aber äußerst zweifelhaft. Es besteht daher der dringende Verdacht, dass man bei der Untersuchung der Gefahren von Doel und Tihange Gefälligkeitsgutachten erstellt hat, die die realen Gefahren nicht korrekt beschreiben.

Ich habe zudem auch große Sorgen, da die AKWs in Belgien nachweislich im Visier von Terroristen sind. Bei einem gezielten Flugzeugabsturz wäre eine Kernschmelze kaum zu verhindern. Denn alte Atomkraftwerke wie in Doel und Tihange sind gegen diese Gefahr nicht geschützt. Auch Cyberangriffe auf Atomkraftwerke sind denkbar.

Ich begrüße die Ende Dezember 2016 eingereichte gemeinsame Klage der Städteregion Aachen, der Städte Maastricht und Wiltz (Luxemburg) sowie mehrerer Privatpersonen und eines Unternehmens gegen das Atomkraftwerk Tihange. Die Proteste der Bundesregierung wegen der schweren Sicherheitsmängel in Doel und Tihange sind hingegen wenig glaubhaft, solange Deutschland Brennstoffe für die belgischen Atomkraftwerke liefert. Zumindest vom Reaktor in Doel ist bekannt, dass er mit Brennelementen aus Deutschland versorgt wird. Ich fordere die Bundesregierung auf, diese Belieferung sofort zu beenden.

Aber der Betrieb von Atomkraftwerken ist nicht nur eine große Gefahr für die Bevölkerung, sondern Kernenergie verursacht auch hohe Kosten, die dem Steuerzahler aufgebürdet werden. Das geplante britische AKW Hinkley Point C wird nur deswegen gebaut, da die britische Regierung den Betreibern üppige Subventionen zugesagt hat. Über 35 Jahre werden hohe Abgabepreise in Höhe von 108 Milliarden Euro garantiert. Damit ist die dort produzierte Energie teurer als jene aus Windkraftanlagen.

In Deutschland kosten der Abbau der Atommeiler und die Endlagerung des Atommülls 170 Milliarden Euro. Davon zahlen die Konzerne, die jahrzehntelang mit der Atomenergie ein gutes Geschäft gemacht haben, aber nur einen Bruchteil. Der Rest bleibt am Steuerzahler hängen. Berücksichtigt man alle Kosten der Atomkraft, so sind Erneuerbare Energien heute schon deutlich günstiger. In der grünen Energie liegt deshalb unsere Zukunft. Die Dinosauriertechnologie Atomkraft sollte darum schnellstens auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt werden.