11.04.2016

Asoziales Verhalten

Bernhard G. Suttner

Ich gestehe es: Die täglich gelieferten, seitenlangen Berichte über die „Panama-Papiere“ lese ich nicht mehr. Wahrscheinlich geht es vielen so: So detailliert will man gar nicht wissen, welchen Aufwand manche Leute treiben, um ihren Beitrag zum Gemeinwohl vermeiden zu können. Auch wenn man manche Staatsausgabe scharf kritisieren muss, ändert kein Missstand etwas daran, dass es in modernen Gesellschaften ohne Steuern und ohne Staatlichkeit kein Gemeinwohl gibt. Steuerhinterzieher gebärden sich ja oft als „enttäuschte Bürger“, die unter falscher Politik derart leiden, dass sie diese Fehler nicht mehr mitfinanzieren wollen… So wird aus einem kriminellen Egoisten  ein „tapferer Widerständler“ und aus Steuerhinterziehung eine „kritische Aktion“.  

Ganz besonders gefährlich ist aber ein weiterer Effekt asozialen Verhaltens in der Oberschicht: Ich fürchte, dass die „Panama-Papiere“ die ohnehin bestehende Legitimationskrise anheizen und noch mehr Menschen in eine demokratiegefährdende Überzeugung („die da oben sind doch alle korrupt“) treiben werden. Deshalb sind harte Gesetze für Steuergerechtigkeit und die Nennung von Täter-Namen unverzichtbar. Es sind eben nicht „alle“ korrupt sondern ganz bestimmte einzelne.