03.10.2016

Erinnerungen an die ungarische Geschichte

Bernhard G. Suttner

Zu meinen ganz besonderen Kindheitserinnerungen gehört der Ungarische Volksaufstand von 1956, der sich in diesem Oktober zum 60. Mal jährt. Es war damals auch für ein 7-jähriges Kind nicht möglich, die Zeitungsschlagzeilen und -bilder sowie die Radionachrichten zu übersehen oder zu überhören: Es geschah Furchtbares: Panzer rollten. Es wurde geschossen. Menschen starben auf offener Straße.

Später kamen die ungarischen Flüchtlinge – mehr als 200 000 Menschen verließen innerhalb kürzester Zeit ihre von russischen Panzertruppen besetzte Heimat. Sie wurden mit sehr viel Mitleid begrüßt. Österreich und die Bundesrepublik Deutschland, aber auch die USA und andere westliche Länder erlaubten großzügig die Ansiedlung und die freie Wahl des Wohnortes. Ganz in der Nähe meiner Heimatstadt wurde später vom Freistaat Bayern sogar ein privates, ungarisches Gymnasium massiv unterstützt, um es den geflüchteten Menschen zu ermöglichen, ihre eigene Sprache, Kultur und Lebensart zu bewahren…

Dass in diesem Oktober ausgerechnet die ungarische Regierung eine massive Hetze gegen geflüchtete Menschen betreibt, ist angesichts dieser geschichtlichen Erfahrungen mehr als unverständlich. Das ungarische Volk scheint sich besser zu erinnern als seine schreckliche Regierung: Das absonderliche, antieuropäische und menschenrechtsfeindliche Plebiszit ist mangels Beteiligung gescheitert.