09.10.2017

Gegenwind

Bernhard G. Suttner

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung erkennt bei der Analyse des Bundestagswahlergebnisses eine neue Konfliktlinie in der Gesellschaft: Es gibt Modernisierungsskeptiker und -verlierer auf der einen Seite und Modernisierungsbefürworter bzw. -gewinner auf der anderen. Skeptiker und Verlierer werden von Zukunftsängsten ins Lager der Populisten und Nationalisten getrieben. Gewinner und Befürworter finden sich mit Globalisierung, Digitalisierung, Liberalisierung und Einwanderung gut zurecht und sehen in der FDP die richtige Vertretung. 

Mir gibt zu denken, dass die beiden Flaggschiffe dieser unterschiedlichen Einstellungen – die FDP als Vertretung der Modernisierungsfreunde und die AfD als Sammelbecken der Modernisierungsverlierer - sich in zwei zentralen Fragen einig zu sein scheinen: Erstens: Solidarität zählt nicht. Zweitens: Ökologische Verantwortung stört nur.

Da die erfolgreichen Gruppierungen nach einer Wahl die Richtung vorgeben, in die sich das Gesamtsystem bewegen wird, laufen wir Gefahr, in eine Zeit des antiökologischen Egoismus zu stolpern. Eine am Gemeinwohl ausgerichtete ökologisch-soziale Marktwirtschaft bleibt dennoch das richtige Ziel – auch wenn deren Anhänger noch mehr Gegenwind erleben werden.