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Irrtümer

Was ist der Mensch? Unter anderem sind wir alle ganz bestimmt irrende und fehlerhafte Wesen. Das gilt nicht nur für uns Alltagsmenschen; es gilt auch für große Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, ja sogar für Genies der Künste und auch für geschichtliche Heldinnen und Helden des aufrechten Ganges. Niemand ist vollkommen und ohne Fehler.

Auch deshalb gehört es zum Selbstverständnis wissenschaftlichen Arbeitens, dass selbst sorgfältigst begründete Aussagen immer unter Vorbehalt veröffentlicht werden: Neue Erkenntnisse können zur Änderung alter Positionen veranlassen. Daran ist vernünftigerweise nichts zu bemeckern. Ganz im Gegenteil: Korrekturen, zumal Selbstkorrekturen sind ehrenhaft.

Wer Fehler macht ist deshalb nicht schon unglaubwürdig an sich. Es ist lächerlich, wenn z.B. Leugner der Klimaprobleme und Kritiker der Corona-Maßnahmen jede Selbstkorrektur der Fachleute als Nachweis deren Unfähigkeit bewerten. Menschliche Erkenntnis ist prinzipiell „work in progress“, also „auf dem Weg“, unfertig und unvollkommen.

Was für Wissenschaft gilt, gilt noch mehr für Politik. Nicht die Selbst-Korrektur ist das Problem. Falscher Konservativismus, also das sture Festhalten an Positionen, die sich als unhaltbar erwiesen haben, ist zu kritisieren.

Im Beethoven-Jubiläumsjahr erinnere ich mich, dass das Musikgenie zunächst Napoleon als Heroen der Freiheit verehrt und ihm die 3. Symphonie („Eroica“) gewidmet hatte. Er hat diesen Irrtum schnell erkannt und die Widmung auf dem Manuskript ausradiert. Beethoven ist trotzdem ein großer Komponist…

Bernhard Suttner

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