25.04.2016

„Kein Verzicht!“

Bernhard G. Suttner

Deutschland beliebtester Politiker hat sich kürzlich in einem Zeitungsinterview mit einer Aussage profiliert, die man von einem der beliebtesten Politiker genau so erwarten musste: „Verzicht – das hat nie funktioniert. Die allermeisten Menschen wollen nicht weniger. Wie koppeln wir Wachstum und Wohlstand vom Naturverbrauch ab? Das ist die Jahrhundertfrage, die wir beantworten müssen.“ Und als ersten Teil der Antwort beglückwünscht der beliebteste Politiker schon mal einen Autoboss zu dessen „Vision von null Emission“. (Bis den Herren dazu was einfällt, sind sie bei den Abgastests ein bisschen visionär - auf Tempo und Power will man ja nicht verzichten!)  

Es leben derzeit gut 7 Milliarden, schon bald 10 Milliarden Menschen auf dem Planeten Erde. Mehr als die Hälfte davon hat echte Versorgungsprobleme; 800 Millionen Frauen, Männer und Kinder hungern Tag für Tag. Um diese Menschen endlich würdig zu versorgen, wird man mehr Ressourcen ausbeuten oder eine gerechtere Weltwirtschaft organisieren müssen. Der beliebteste Politiker Deutschlands will weder eine andere Verteilung („kein Verzicht!“) noch einen intensiveren Angriff auf die natürlichen Ressourcen. Entweder hat er den Stein der Weisen im Tresor der Stuttgarter Staatskanzlei, oder er redet sich bloß die Welt hübsch grün.

Ich halte es mit Niko Paech und anderen, die den Verzicht auf sehr viel materiellen Klimbim für die „Befreiung vom Überfluss“ halten. Ohne diese Befreiung werden der Planet und seine Bewohner auf ihre Existenz verzichten müssen.