Nicht überflüssig

2018 hatte so ernste Gedenktage: 100 Jahre Ende der Nationalismuskatastrophe 1. Weltkrieg. Vor 85 Jahren die „Machtergreifung“ und vor 80 Jahren das mörderische Pogrom mitten in den Städten und Dörfern einer zivilisierten Nation. Waren nur unsere Großeltern und Eltern so verführbar? Können nicht auch wir alle in die Irre gehen und uns in die Irre führen lassen? Ich fürchte, dass alle unsere gewohnt guten Strukturen leider auch nicht auf Ewigkeit gesichert sind. Deshalb sind überzeitliche Haltesysteme so unverzichtbar. Die berühmte Feststellung des Staatsrechtlers Böckenförde, dass „der freiheitliche, säkularisierte Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann“ muss ernster denn je genommen werden. Mitmenschlichkeit, Verantwortungsbewusstsein, Verzichtsbereitschaft – das alles kann der Staat nicht verordnen. Dies alles muss in jedem einzelnen Menschen entstehen und gepflegt werden.

Religion ist sicher nicht die einzige Quelle, aus der die von Böckenförde benannten Voraussetzungen für menschenwürdige Verhältnisse gewonnen werden können. Aber sie ist nach wie vor eine wichtige Quelle. Dass diese Quelle durch Fundamentalismus und Kriminalität einzelner Religionsvertreter heute für so viele verschüttet und vergiftet ist, ist verhängnisvoll.

Umso mehr wünsche ich mir und uns allen, dass das Weihnachtsfest als religiöses Fest der Identifikation Gottes mit dem Menschlichen uns alle ermutigt, Recht und Würde als Basis des Verfassungsstaates niemals wieder in Frage stellen zu lassen. „Weihnachten“ – so hat mir meine Frau dieser Tage gesagt - „ist nicht überflüssig, obwohl so vieles an Weihachten überflüssig ist.“ Wie recht sie hat!


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