24.04.2017

Problemsichten

Bernhard G. Suttner

„Plastik im Meer“ gilt den Deutschen als das derzeit größte Umweltproblem. Ich bestreite nicht, dass es dieses Problem gibt und dass es bedrohlich ist. Allerdings habe ich den Verdacht, dass diese Umweltlumperei auch deshalb die Hitparade anführt, weil man den Eindruck hat, selbst damit nichts zu tun zu haben: Irgendwelche böse Unbekannte werfen den Müll in den Ozean; man selbst hat so etwas noch niemals getan. Käme einem auch nie in den Sinn…

Mittlerweile gibt es ein eigenes psychologisches Fachgebiet, das sich mit der Frage beschäftigt, wie wir Menschen den großen sozial-ökologischen Problemen begegnen. Die Ergebnisse deuten in diese Richtung: Erstens neigen wir dazu, das eigene positive Verhalten (z.B. Mülltrennung und Kauf von Bio-Produkten) intensiv wahrzunehmen und sehr hoch zu bewerten. Zweitens tendieren wir dazu, das eigene, problemverschärfende Verhalten (z.B. Flugreisen und SUV-Mobilität) zu verharmlosen. Und drittens richten wir den Fokus auf die anderen: Schrecklich was die alles anstellen; werfen z.B. jede Menge Plastik ins Meer – furchtbar.  

Was ist das derzeit größte Umweltproblem? Die ehrliche Antwort müsste lauten: Mein eigener Lebensstil als Mitteleuropäer.