12.06.2017

Rechtzeitig vorsorgen!

Bernhard G. Suttner

Damit man sich Zahlen besser vorstellen kann, ist es manchmal ratsam eine andere Schreibweise zu wählen: Es geht um 32 000 Millionen Euro. Diese Summe haben in den letzten Wochen 28 der 30 großen deutschen Aktiengesellschaften an ihre Aktionäre ausgeschüttet.
2 Gesellschaften zahlten nichts. Weitere riesige Milliardenbeträge schütteten die mittleren und kleineren Aktiengesellschaften aus. Der regelmäßig im Frühsommer stattfindende und heuer ganz besonders intensiv ausgefallene warme Dividendenregen ist ein schlagender Beweis für die Wahrheit des vielzitierten Bibelwortes: „Wer hat, dem wird gegeben.“ Weniger poetisch kann man sagen: Die Schere zwischen Reich und Arm, zwischen ökonomisch Oben und ökonomisch Unten geht nicht zufällig immer weiter auseinander: Dieses dynamische Auseinanderklaffen ist ein systemischer Vorgang: Wer deutlich mehr als das Nötigste hat, wer Geld anlegen kann, der bekommt im Kapitalismus ohne eigene Arbeit (wenn auch nicht risikofrei) Geld dazu.  

Man könnte Kapitalerträge deutlich höher besteuern und so einen größeren Anteil der Dividendensumme von oben nach unten umleiten und für die Förderung des Gemeinwohls verwenden. Dafür gibt es aber traditionell keine politischen Mehrheiten. Wahrscheinlich träumen viele kleine Leute vom Reichwerden und sorgen dann schon mal rechtzeitig dafür, dass sie später – wenn das mit dem Reichwerden geklappt hat -  nicht so hoch besteuert werden.  Man muss eben rechtzeitig vorsorgen.