02.01.2012

Unfeierliche Gedanken

Bernhard G. Suttner

drängen sich dem Zeitungsleser zum Jahreswechsel auf: Im „reichen“ Bayern beginnt die tarifliche(!) Entlohnung in der Konditorenbackstube bei sage und schreibe 5,26 Euro! Die Forderung nach „fairen“ Verhältnissen in Wirtschaft und Arbeitswelt wurde bisher vor allem erhoben, wenn man den Blick auf die Verhältnisse auf der Südhalbkugel des Planeten richtete; ganz offensichtlich geht es auch bei uns unfair zu! Fast gleichzeitig mit der genannten Tarifanalyse wurde gemeldet, dass immer mehr Arbeitslose sofort in die Sozialhilfe (Hartz IV) fallen, weil ihr letzter Lohn für die Versicherungsleistung Arbeitslosengeld zu gering war. Aber nicht nur Hilfskräfte und Berufsanfänger in einigen Branchen werden unfair behandelt, auch alle Eltern, die sich ganz der Familien- und Erziehungsarbeit widmen und so zur Stabilisierung der Gesellschaft beitragen, bekommen nach wie vor keinen Lohn – nicht einmal die beschämenden € 5,26 des bayerischen Konditorentarifs. Vielleicht sollten wir 2012 als ein „Jahr der Fairness“ ausrufen?  

Kategorie: Arbeit / Wirtschaft, Werte / Menschenbild