25.07.2016

Unverzichtbar!

Bernhard G. Suttner

Es war zu erwarten: Nach den Mordtaten von Würzburg und München würde irgendein Politiker das Thema "ego-shooter-games" wieder in die Debatte bringen. Volker Kauder, der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU, war dieses Mal am Zug: Man müsse über Einschränkungen und Verbote nachdenken. Solche Spiele seien geeignet, junge Menschen in Sachen Gewalt zu enthemmen.

Ich neige dazu, Volker Kauder Recht zu geben. Ego-shooter-games wurden ursprünglich entwickelt, um Soldaten die Tötungshemmung abzutrainieren. Es geht dabei bekanntlich darum, als aktiver Täter möglichst viele "Spielfiguren" möglichst rasch und präzise zu erschießen. Nur so kann der Spieler die höchstmöglichen Erfolge erzielen. Mittlerweise wurde viel geforscht und festgestellt, dass die allermeisten "gamer" diese sehr realistisch aufgebauten Gewaltspiele gut vertragen.  Solche  Spiele - so die Forschung - könnten Konzentrationsfähigkeit und Reaktionsschnelligkeit fördern.  Lediglich vorgeschädigte Menschen würden womöglich negativ beeinflusst werden. Welch ein Zynismus: Wer schon gefährdet ist, darf sich ganz legal auch den Rest geben.

Die von Herrn Kauder eröffnete Debatte wird schnell wieder beendet sein: Das Gaming ist mittlerweile ein Milliardenmarkt und für eine Wachstumswirtschaft ebenso unverzichtbar wie Waffenproduktion und Waffenhandel. Wie die Waffenindustrie hat auch die Spieleindustrie eine wohlorganisiserte Lobby. Dass da ein paar potentiell gefährdete Jugendliche womöglich den letzten Kick bekommen, darf da nicht bekümmern. Die elektronischen Spiele sind ja auch als neue Kultur- und Kunstform anerkannt. Spieleentwicklung kann man an Universitäten studieren.  Es gibt dafür staatlich unterstützte Wettbewerbe und Preise. Wie gesagt: Eine Wachstumswirtschaft kann auf solche neuen Märkte und Produkte nicht verzichten.

"Diese Wirtschaft tötet" sagt Papst Franziskus.