Versprechen oder Drohung?

Nicht nur die „Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)“, auch viele linke, halblinke, grüne, gelb-margentafarbene und „fortschrittlich-schwarze“ Wahlkämpfer bieten gerne den „Ausbau“ oder gar eine „Garantie“ in Sachen Ganztagsschule an. Ich halte dies für eines der ärgerlichsten Wahlversprechen. Warum?

Erstens: Es fehlt schlicht das Personal. Schon heute gelingt es in der Regel nicht, den ordentlichen Schulbetrieb aufrecht zu erhalten. Wie soll da ein Ganztagsbetrieb laufen?

Zweitens: Der Mensch ist zwar ein soziales Wesen, gleichzeitig aber auch ein höchst interessantes Individuum. Diese Doppelnatur des Menschen (sozial und individuell) haben alle Diktaturen - gleich welcher Ausrichtung -  versucht auszulöschen. Man wollte perfekte Kollektive „neuer Menschen“ und hat deshalb versucht, die gesamte Kindheit und Jugend in staatlich geplanten Gruppen zu organisieren. Ich werde das Gefühl nicht los, dass modernde, nicht-diktatorische Gesellschaften zwar viel von Individualität reden, gleichzeitig aber den Kollektivraum immer weiter ausbauen: Ganztagsschule und Ganztagskita heißt doch: Andauernd unter Beobachtung, immer unter erwachsener Aufsicht, immer nach Plan.

Wo bleibt das unbeobachtete Geheimnis, die freie Entwicklungschance des eigenen, ungeplanten, personalen, kindlichen Ichs? Wo bleibt auch das Recht der Eltern, die mit ihren Kindern etwas anzufangen wissen und die Aktionen und Ideen ihrer Kinder nicht nur am Rande erleben wollen?

Für mich ist dieses Wahlversprechen eine Drohung.


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