10.04.2017

Vielfalt ist nicht immer gut

Bernhard G. Suttner

In der Regel ziehe ich Vielfalt der Einfalt vor. Aber bei den „Labels“ zur Verbraucherinformation sehe ich negative Auswirkungen der explodierenden „Artenvielfalt“. Wie problematisch ein neues Zeichen sein kann sieht man derzeit exemplarisch beim Tierschutz: Schon seit einiger Zeit vergibt der „Deutsche Tierschutzbund“ sein relativ aussagekräftiges Qualitätszeichen „Für mehr Tierschutz“ an Produzenten und Händler, die wirklich mehr Haltungsqualität bei Nutztieren (z.B. für Masthähnchen und Schweine) garantieren. Jetzt kommt das vom Bundesministerium verantwortete „Tierwohl“-Label dazu, das mit weit weniger Anspruch ausgestattet ist und im Einzelfall ganz ohne reale Verbesserungen erworben werden kann. Es gibt Ähnlichkeiten zur Kennzeichnung von Bioware: Auch da hat der Staat schon vor Jahren die strengen Anforderungen der Bio-Anbauverbände mit einem staatlich-europäischen Bio-Siegel verwässert. Die Vielfalt der Labels führt dazu, dass die Verbraucherschaft am Ende den Eindruck gewinnt, es sei irgendwie doch egal, was man kauft und greift zum billigsten Produkt - mit irgendeinem sympathischen Spruch drauf…

Beim Tierschutz sehe ich noch ein weiteres Problem: Die Labels könnten dazu führen, dass die Notwendigkeit einer strengeren Gesetzgebung zum Schutz ausnahmslos aller Nutztiere verdrängt wird. Tierwohl darf keine Wahlleistung zum höheren Preis sein. Tierwohl muss Pflicht werden.