Genehmigung zum Wiederanfahren der Reaktoren in Tihange und Doel ist auch ein Versagen der Bundesregierung

ÖDP: Bundesregierung muss das Schlimmste verhindern!

Die Genehmigung zum Wiederanfahren der belgischen Kernkraftwerke Tihange 2 und Doel 3 durch die belgische Atomaufsicht FANC ist nach Meinung der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) auch auf ein eklatantes Versagen der Bundesregierung zurückzuführen. Die ÖDP fordert daher die Regierung auf, durch entsprechende Intervention in Belgien das Schlimmste zu verhindern.

Mit ihrer Antwort auf eine Bundestagsanfrage macht die Bundesregierung ihr Desinteresse am Schutz des Lebens und der Gesundheit der Bevölkerung deutlich: "Die Bundesregierung hat keine Kenntnisse, ob der nach der erneuten Abschaltung der beiden belgischen Kernreaktoren Doel 3 und Tihange 2 im März 2014 für beide Anlagen geforderte Sicherheitsnachweis der zuständigen atomrechtlichen Aufsichtsbehörde FANC vorgelegt wurde. Sie geht aber davon aus, dass FANC, wie bisher geschehen, die Ergebnisse der Sicherheitsüberprüfung der internationalen Gemeinschaft vorstellen und ihre Entscheidung erläutern wird." Diese Antwort zeigt deutlich die Sorg- und Verantwortungslosigkeit der Bundesregierung gegenüber der Wiederinbetriebnahme der grenznahen, beschädigten Kernkraftwerke Tihange 2 und Doel 3.

Diese beiden Kernkraftwerke mussten in der Vergangenheit bereits mehrfach aufgrund von Störfällen abgeschaltet werden. Bei der Untersuchung der Reaktordruckbehälter wurden hierbei tausende Risse im Stahlmantel festgestellt. Die Betreiberin der AKWs erklärte, diese seien von Beginn an vorhanden gewesen. Materialwissenschaftliche Untersuchungen ergaben aber, dass durch jahrzehntelange Bestrahlung von Stählen diese an Festigkeit verlieren. Durch Einbringen von Teststählen in Reaktordruckbehälter anderer AKWs wurde dies zweifelsfrei nachgewiesen. Die Festigkeit der Stähle in einem Reaktordruckbehälter ist im Falle einer Notabschaltung von besonderer Bedeutung. Hierbei entstehen erhebliche Drücke, die zum Bersten des Reaktordruckbehälters und damit zu einer unkontrollierten Freisetzung radioaktiven Material führen können. Je länger der Stahl der radioaktiven Strahlung ausgesetzt war, desto geringer seine Festigkeit.

Die Festigkeit der Stähle in Tihange 2 und Doel 3 sind vermutlich grenzwertig. Für eine empirische Untersuchung fehlen die Teststähle in den Reaktordruckbehältern der beiden AKWs. Daher ist eine materialwissenschaftliche Untersuchung nicht möglich. Dies hat aber die Betreiberin zu verantworten.

Das Wiederanfahren der beiden Atomkraftwerke setzt die Bevölkerung einem unkalkulierbaren Risiko aus. Auch macht der atomare Fallout eines GAUs nicht an der Landesgrenze hat. Die Konsequenzen wären daher nicht auf die grenznahen Gebiete beschränkt. Nach einer Simulation von Greenpeace wären große Teile der Bundesrepublik betroffen. Die Evakuierungszone eines GAUs von Tihange 2  oder Doel 3 würde auch die Städte Frankfurt und München und sogar Salzburg umfassen, je nach Wind- und Wetterverhältnissen zum Zeitpunkt des Störfalls.

Daher wäre es nach Auffassung der ÖDP die Pflicht der Bundesregierung gewesen, in Belgien zu intervenieren und das Wiederanfahren zu verhindern. Die Bundespolitiker sprechen in Sonntagsreden vom Atomausstieg, gleichzeitig lassen sie durch Untätigkeit das Wiederanfahren von grenznahen beschädigten Kernkraftwerken zu. Empörte Pressemitteilungen von Regierungsmitgliedern  nach der Genehmigung des Wiederanfahrens sind zu wenig und sollen offenbar nur Aktivitäten vortäuschen. Die ÖDP erwartet von der Bundesregierung, dass sie alles unternimmt, damit die havarierten grenznahen Kernkraftwerte schleunigst wieder stillgelegt werden und zwar für immer.

Das Atomkraftwerk in Tihange, unweit der deutschen Grenze ist eine Gefahr für ganz Europa! Foto: Wikimedia Commons. Hullie - Nuclear power plant of Tihange, Huy, Belgium.

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