ÖDP fordert breite Diskussion über Antibiotika in der Landwirtschaft

(Berlin, 19.11.2010) Der Einsatz von Antibiotika ist nur die Spitze des Eisbergs einer menschen- und tierunwürdigen Landwirtschaft. So wird ein System stabilisiert, das aus vielen Gründen umwelt- und gesundheitsschädlich ist“, sagt Uta Maria Jürgens, Vorsitzende des Arbeitskreises Landwirtschaft in der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP).

Nach jüngsten Recherchen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) soll der Beschluss des Bundesrates, ein Informationssystem zur genauen Dokumentation des Antibiotika-Einsatzes in der Landwirtschaft einzurichten, dahingehend aufgeweicht werden, dass nur noch die ersten Ziffern der Postleitzahlen in der Anschrift der verschreibenden Ärzte offen gelegt werden müssen. Der ursprüngliche Plan sah vor, die gesamte Postleitzahl der betroffenen Ärzte zu veröffentlichen. Verbrauchszahlen an Antibiotika sind damit lediglich ganz grob zuzuordnen, ebenso wenig lassen sich die verantwortlichen Tierärzte identifizieren. Geflügelmastbetriebe müssen ihren Antibiotika-Verbrauch nach den neuen Überlegungen aus dem Landwirtschaftsministerium überhaupt nicht deklarieren. Laut NDR sei der Grund hierfür „Datenschutzbedenken“. Dieses Argument allerdings lassen noch nicht einmal die führenden Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern gelten.

 

„Ein Meisterwerk an Intransparenz!“ urteilt ÖDP-Politikerin Jürgens zynisch. „Was sollen diese Angaben überhaupt noch bewirken? Es geht lediglich darum, dem Verbraucher das Gefühl von Kontrolle vorzuspiegeln, dabei ändert sich in Wahrheit überhaupt nichts.“ Noch immer könne die Öffentlichkeit nicht nachvollziehen, welche Tierärzte welchem Betrieb wie viele Antibiotika verschreiben - und damit über das Fleisch, aber auch die Abwässer und die Gülle an Umwelt und Konsumenten weiterreichen. „Im Kampf gegen multiresistente Keime, die sich durch den übermäßigen und anhaltenden Einsatz von Antibiotika entwickeln und über die gleichen Wege als Bedrohung für Mensch und Tier in die Umwelt gelangen, ist damit keinerlei Handhabe gewonnen.“

Darüber hinaus kritisiert Jürgens, dass in der gegenwärtigen öffentlichen und medialen Diskussion zu dem Thema eines jedoch unerwähnt bleibe: „Warum brauchen wir überhaupt Antibiotika? Weil in der industrialisierten Landwirtschaft abertausende von Tieren in Massentierhaltung eng gepfercht gehalten werden: Krankheitserreger können sich so bequem von einem Tier zum anderen verbreiten. Die Diskussion ist also scheinheilig.“

Stattdessen solle es, so die ÖDP-Politikerin, darum gehen, „wie wir die Landwirtschaft so menschen- und tierwürdig gestalten, dass sich der Einsatz von Antibiotika erübrigt“.

Kleinbäuerliche und Bio-Betriebe machten vor, dass es anders geht: sie kommen ohne Antibiotika-Einsatz aus. „Hier liegt die eigentliche Verantwortung der Landwirtschafts-Politik: nicht die Symptome zu bekämpfen, sondern die Ursachen zu beseitigen“, so Jürgens abschließend.

 

 

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