05.08.2016

„Olympischer Gedanke erheblich beschädigt“

Christoph Raabs (ÖDP) fordert IOC zu radikalem Umsteuern auf

Christoph Raabs ist Bundesschatzmeister der ÖDP. Foto: ÖDP Bundespressestelle.

Angesichts der bevorstehenden Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro fordert Christoph Raabs, Bundesschatzmeister der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP), eine radikale Kurswende des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Das Erbe des Begründers der neuzeitlichen Olympiaden, Baron de Coubertin, werde seit Jahren mit dem Ziel der Profitmaximierung regelrecht verschleudert.

Raabs zitiert aus Coubertins "Ode an den Sport": "O Sport, du bist Friede! Du schlingst ein Band um Völker." Die Vorgänge rund um die Winterspiele 2014 in Sotschi und jetzt im Vorfeld der Spiele in Brasilien verhöhnten aber regelrecht den Sport und damit auch alle Sportinteressierten weltweit, von denen sich viele angewidert abwendeten.

"Seit Jahren werden sportliche Großereignisse unter dem Gesichtspunkt kommerzieller und politischer Interessenlagen vergeben. Auf der Strecke bleiben damit regelmäßig die Bevölkerungsinteressen der Gastgeberländer. Zudem sind die eigentlichen Hauptakteure, die Wettkämpfer selbst, zu Statisten oder allenfalls zu Werbeträgern degradiert worden", so Raabs.

Standen frühere Olympiaden noch unter dem Motto "Dabei sein ist alles", produzieren die heutigen Olympischen Spiele fast nur noch Verlierer. Dazu gehöre der Umweltschutz ebenso wie die Soziale Gerechtigkeit. In Brasilien amüsiere sich die Oberschicht auf Kosten der Ärmsten. In Sotschi wurden tausende Bürger aus ihren Häusern vertrieben, die für den Bau neuer, pompöser Sportstätten und Hotels weichen mussten. Zudem würden hier wie dort politische Machtkämpfe im Windschatten der Spiele ausgetragen.

Der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach stehe zu Recht wegen seiner windelweichen Haltung in Sachen Doping in der Kritik, habe aber die Chance, sich in Zukunft als Erneuerer zu etablieren. Dazu bedürfe es einer vollkommen anderen Herangehensweise bei der Vergabe kommender Spiele.

"Transparenz, Sparsamkeit, Umweltschutz und Nachhaltigkeit müssen die tragenden Säulen künftiger Olympiaden werden, und dies nicht nur auf farbigen Hochglanzprospekten, sondern auch in der Realität. Dazu ist es unter anderem notwendig, die wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen der Sportfunktionäre aufzulösen", so Raabs, der in seiner Freizeit seit über 20 Jahren als Fußballschiedsrichter tätig ist.

Die olympische Idee sei erheblich beschädigt, aber noch nicht gänzlich zerstört. Sollte es erneut zu einer deutschen Olympiabewerbung kommen, biete nur ein radikal verändertes Konzept die Chance, den nötigen Rückhalt in der Bevölkerung zu erreichen. Vorher allerdings bedürfe es der angesprochenen Kehrtwende an der Spitze des IOC.

"Ich wünsche trotz allem der Olympiade in Rio einen friedlichen Verlauf und hoffe, dass die sauberen und fairen Athleten ihre sportlichen Ziele erreichen", so Raabs abschließend.