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100 % erneuerbare Energie bis 2030? Die häufigsten Fragen

Eine ökologische Partei setzt sich für die Energiewende ein - keine große Überraschung. Wir wollen hier deshalb nicht noch einmal auf die Allgemeinplätze eingehen wie einen schnelleren Kohleausstieg und "kein Zurück in die Atomkraft" (dazu mehr z.B. in diesem Blogartikel). Stattdessen wollen wir auf die häufigsten Fragen und Zweifel eingehen, die uns oft im Gespräch um die Energiewende begegnen. Denn: Wir sind überzeugt, dass die Energiewende gelingen und für das Klima und für jeden einzelnen ein Gewinn sein kann!

Alle Details dazu, wie wir uns die Energiewende vorstellen, in unserem Bundesprogramm.

 

Wird erneuerbare Energie denn ausreichen?

Eine der häufigsten Bedenken bei der Energiewende: Wenn wir nun zeitgleich alle Atom- und Kohlekraftwerke abschalten und dazu auch noch Erdgas als fossilen Brennstoff langfristig ablehnen, werden Strom und Wärme dann nicht langsam knapp?

Klar: Immer noch stammt der größere Teil unserer Energie aus fossilen Quellen und Atomkraft. 2021 waren nur 42 % erneuerbar erzeugt. [1] Niemand behauptet daher, dass eine komplette Umstellung auf Erneuerbare in den nächsten Jahren einfach werden wird. Wir müssen z.B. Solar- und Windenergie massiv ausbauen, dazu muss zuallererst die politische Blockade der erneuerbaren Energien endlich aufhören, die in den letzten Jahren sogar zu einem Rückgang (!) der Windenergie in Deutschland geführt hat [2].

Die Ampel-Regierung bezeichnet Erdgas im Koalitionsvertrag weiterhin als Brückentechnologie und will sogar den Bau neuer Gaskraftwerke fördern. Wichtig: Erdgas ist ein fossiler Energieträger, hat in einer erneuerbaren Energieversorgung also nichts verloren! Nur die bereits vorhandene Erdgasinfrastruktur muss aus unserer Sicht weiter genutzt werden für den Betrieb mit Wasserstoff, falls möglich (und sofern in ausreichender Menge zukünftig vorhanden, was nicht gesichert ist), und für synthetisches Methan. Sowohl Methan als auch Wasserstoff müssen dabei ausschließlich mit erneuerbaren Energien hergestellt sein. Diese Gaskraftwerke sollten nur bei Bedarf und nur wenige Stunden im Jahr laufen müssen. Wir sind klar dagegen, neue teure Gasdampfturbinenkraftwerke zu bauen, die sich nur amortisieren, wenn sie mehrere Jahrzehnte lang mehrere tausend Stunden pro Jahr laufen - die Wahrscheinlichkeit ist nämlich hoch, dass sie das dann auch tatsächlich tun, und zwar mit Erdgas.

 

Aber der Energieaufwand wird doch noch weiter steigen!

Es ist richtig, dass z.B. mit E-Mobilität wachsender Energieverbrauch auf uns zukommt. Deshalb setzen wir uns auch dafür ein, dass die Energiewende nicht nur die Erzeugung durch Erneuerbare revolutioniert, sondern auch maßgeblich auf Energiesparmaßnahmen setzt. Dabei reicht es natürlich nicht, nachts das Laptop-Ladekabel auszustecken. Wir müssen z.B. im Bereich der Gebäudesanierung die Sanierungsrate mindestens verdoppeln, die ohnehin in den letzten Jahren stark stagniert. Auch die ursprünglichen Ausbauziele der effizienten Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) wurden mittlerweile wieder reduziert. Das muss sich ändern! Bei der KWK wird Strom und Wärme gleichzeitig erzeugt, z.B. indem die Wärme, die bei der Stromerzeugung automatisch entsteht, über Fernwärmenetze an Haushalte zum Heizen verteilt wird. Dabei wird die Energie maximal effizient genutzt.

 

Wer soll das bezahlen?

Energie ist teuer - das sehen wir an den derzeit hohen Strompreisen besonders akut. Klar ist: Die Energiewende wird Geld kosten. Erst werden große Investitionen nötig sein, um die Energieerzeugung flächendeckend umzustellen, aber mittel- und langfristig sinken die Kosten. Denn eine nachhaltige Energieversorgung ist günstiger als die heutige, da die Betriebskosten sehr gering sind. Außerdem besteht unser Strompreis tatsächlich ca. zur Hälfte aus Steuern und Abgaben [3] - die könnten politisch verringert werden:

  • Die EEG-Umlage allein macht z.B. 20 % des Strompreises aus, dabei gibt es nach wie vor Ausnahmen für große, energieintensive Unternehmen, die diese nicht zahlen müssen. Wir setzen uns z.B. dafür ein, diese Industrieausnahmen stark einzuschränken: Nur noch die Branchen sollen entlastet werden, die für ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit nachweislich durch eine höhere Belastung gefährdet wären (als Grundlage der Auswahl gibt es dazu z.B. eine Liste mit 15 Branchen im internationalen Wettbewerb).
  • Außerdem begrüßen wir Modelle wie die "Basler Lenkungsabgabe": Dabei wird der pro Kopf genutzte Strom bis zu einer gewissen Grenze steuerlich entlastet, während auf den Mehrverbrauch überdurchschnittlich viel Steuern erhoben werden.
     

Wer setzt das dann alles um? Handwerker-Mangel!

Der Bedarf ist groß, die Wartezeiten lang: Dass es in Deutschland zu wenige Handwerkerinnen und Handwerker gibt, ist bekannt. [4] Doch die Solaranlage baut sich natürlich nicht von alleine aufs Dach, und selbst wenn man einen Termin zur Heizungssanierung ergattert hat, ist dann der gefundene Handwerksbetrieb auch auf dem neuesten Stand der klimaneutralen Heizungstechnik? Wir müssen das Handwerk gezielt fördern, in jedem Bereich, aber besonders bei der Energieversorgung: Mehr Handwerkerinnen und Handwerker und ihre gezielte Schulung und Weiterbildung sind essentielle Teile der Energiewende!

Die ÖDP Saar legt in ihrem Wahlkampf zur Landtagswahl 2022 deshalb einen Schwerpunkt auf die Wertschätzung und Förderung des Handwerks. Mehr dazu hier.

 

Fazit

Wichtig ist uns zu betonen: Eigentlich haben wir gar keine andere Wahl, als die Energiewende in den nächsten Jahren umzusetzen. Alles andere würde bedeuten, dass wir unsere Klimaziele massiv verfehlen, und das können wir uns angesichts der Klimakrise einfach nicht leisten. Denn auch deren Folgen belasten Wirtschaft und Bevölkerung immer stärker. Auch finanziell!

Und ein positiver Nebeneffekt zum Schluss: Die Energiewende gibt uns nicht nur saubere Energie, die die Klimakrise nicht weiter anheizt, sondern löst uns z.B. auch von der Abhängigkeit von russischem Erdgas und macht den Technologie- und Industriestandort Deutschland zu einem internationalen Vorreiter in Sachen erneuerbarer Energie.

 

Quellen:

[1] www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/deutlich-weniger-erneuerbarer-strom-im-jahr-2021

[2] www.tagesschau.de/investigativ/swr/deutschland-windkraft-ausbau-101.html

[3] www.br.de/nachrichten/wissen/ist-die-energiewende-fuer-die-hohen-strompreise-verantwortlich,SloxOef

[4] www.welt.de/wirtschaft/article230996803/Fehlende-Fachkraefte-So-dramatisch-ist-Deutschlands-Handwerker-Problem.html

Autor/in:
Fenya Kirst
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