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Die Weltnaturschutzkonferenz geht in die nächste Runde: Über die COP 15 in Kunming, China

Von geschätzten 8 Millionen Tier- und Pflanzenarten weltweit sind ungefähr 1 Million vom Aussterben bedroht.* Ganze Ökosysteme sind so in Gefahr, u.a. durch den menschgemachten Klimawandel, Umweltverschmutzung oder endgültigen Verlust von Lebensräumen, wie z.B. durch Rodung von Wäldern. Deutschland ist beim Artensterben innerhalb Europas leider ganz vorne mit dabei: Wir haben bereits 70-80% weniger Insekten und ein knappes Drittel der einheimischen Säugetierarten ist gefährdet. Darunter sind auch ganz "klassische" Tierarten, die man aus jedem Kinderbuch kennt, wie etwa der Feldhase, der Luchs oder die Feldlerche.**

Gut, dass heute der zweite Teil der COP 15 beginnt, des 15. Treffens der Mitglieder des "Übereinkommens über die biologische Vielfalt", kurz auch "Weltnaturschutzkonferenz" genannt. Worum geht es dabei genau?

Was ist eine COP?

Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt trat im Dezember 1993 in Kraft und ist, kurz gesagt, ein internationales Umweltabkommen mit dem Ziel, die globale Artenvielfalt zu schützen, ihre Nutzung nachhaltig zu gestalten und unter den Ländern der Welt fair zu regeln. Mittlerweile gehören fast alle Staaten der Erde diesem Abkommen an.

Die Abkürzung "COP" steht für "Conference of the Parties", zu Deutsch: Vertragsparteienkonferenz. Gemäß Völkerrecht bildet eine COP das höchste Gremium eines internationalen Abkommens oder einer internationalen Konvention: Alle Staaten, die unterschrieben haben, kommen bei der Konferenz zusammen, um das Voranschreiten der gemeinsamen Sache zu diskutieren und auch die nächsten Schritte zu beschließen.

Ganz verschiedene Abkommen zu unterschiedlichen Themen halten COPs ab: Auch die UN-Klimakonferenz beispielsweise sieht solche regelmäßigen Vertragsparteienkonferenzen vor. Die vergangenen Klima-COPs waren wahrscheinlich die, die den Begriff "COP" erst bekannt gemacht haben; so die COP 26 in Glasgow. Dass die jetzige Weltnaturschutzkonferenz "COP 15" heißt, die Nummerierung also scheinbar nicht chronologisch vorangeht, ist auf den ersten Blick etwas verwirrend.

Die Weltnaturschutzkonferenz: COP 15

Ursprünglich sollte die COP 15 schon 2020 stattfinden, musste wegen der Corona-Pandemie jedoch verschoben werden. In diesem Zuge wurde die Konferenz auf zwei Teile aufgeteilt: Teil 1 fand im Oktober 2021 digital statt, Teil 2 wird nun vom 25. April bis 8 Mai 2022 in Kunming, China abgehalten.

Der bisherige "strategische Plan" der Vereinten Nationen, um die biologische Vielfalt der Erde zu schützen, umfasste den Zeitraum von 2011 bis 2020, ist also mittlerweile abgelaufen. Keine Überraschung: Die gesetzten Ziele wurden größtenteils verfehlt, das machte spätestens der globale Bericht zum Zustand der Biodiversität (engl.) von September 2020 deutlich. Bei der COP 15 wird es also u.a. darum gehen, wie dieser Plan fortgeführt werden soll - welche neue Strategie und welche neuen Ziele es für die folgenden Jahre geben soll, um die Artenvielfalt der Erde so gut wie möglich vor weiterer Zerstörung zu retten. Konkret soll die COP 15 im April ein neues UN-Abkommen beschließen.

Der erste Teil der COP 15 schloss im Oktober 2021 mit der sog. "Erklärung von Kunming". Der Grundtenor dieser Erklärung geht in die richtige Richtung: Die Vertragsstaaten erkennen die Gefahr der Biodiversitätskrise an und drücken ihren Willen aus, dagegen vorzugehen. So sprechen sich viele Staaten etwa dafür aus, 30 % der Fläche sowohl an Land als auch im Meer unter Naturschutz zu stellen. Allgemein bleibt die Erklärung aber vage, v.a. was konkrete Maßnahmen anbelangt. Außerdem mangelt es, wie so oft, an Geld.***

Was kann jeder selbst für die Artenvielfalt tun?

Obwohl natürlich die großen "Player" der Weltpolitik ihre Hebel nutzen müssen, damit wir dem Artensterben global noch etwas entgegenzusetzen haben, können wir auch im Kleinen einiges bewegen. Biologische Landwirtschaft etwa unterstützt einheimische Tier- und Pflanzenarten, und für Holz bzw. Holzmöbel aus nachhaltigem Anbau wird kein Regenwald abgeholzt. Wenn Sie einen Garten haben, achten Sie auf einheimische Pflanzenarten, die z.B. Vögeln die Möglichkeit zum Nestbau geben und nicht giftig sind. Verzichten Sie auf chemische Unkrautvernichter und ganz wichtig: Finger weg vom Schottergarten!

Ansonsten empfehlen wir: Engagieren Sie sich in einer lokalen Naturschutzgruppe - und wählen Sie bei nächster Gelegenheit ökologisch.

 

Quellen:

* www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/society/20200519STO79424/bedrohte-arten-in-europa-zahlen-und-fakten-infografik 

** www.br.de/nachrichten/wissen/was-das-artensterben-fuer-den-menschen-bedeutet,SZdTd4m

*** www.tagesschau.de/ausland/china-un-artenvielfalt-101.html

Autor/in:
Fenya Kirst
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