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Persönlicher Kommentar

DNAtürlich statt verändert! Warum wir die Neue Gentechnik ablehnen

Im Februar 2024 hat das Europäische Parlament im Plenum über einen Gesetzesvorschlag der EU-Kommission zu neuen Gentechniken bei Pflanzen abgestimmt, nachdem bereits der Umwelt- und Gesundheitsausschuss sich für Lockerungen bei der Neuen Gentechnik ausgesprochen hatte.

Dieser Gesetzesvorschlag ist höchst umstritten und wurde maßgeblich von der konservativen Fraktion der EVP vorangetrieben. Er sieht vor, genetisch veränderte Pflanzen mit konventionellen gleichzustellen, solange sie „nur“ bis zu 20 genetische Veränderungen aufweisen. Dadurch würden verpflichtende Risikobewertungen für Natur, Biodiversität und Gesundheit entfallen – eine riskante Entscheidung ohne absehbare Konsequenzen.

Bisher sieht die Kennzeichnungspflicht bei gentechnisch veränderten Organismen (GVO) folgendes vor: Lebensmittel, die gentechnisch veränderte Zutaten enthalten, müssen entsprechend gekennzeichnet werden. So muss z. B. das Endprodukt deutlich gekennzeichnet werden, wenn gentechnisch veränderter Raps für die Herstellung von Rapsöl verwendet wird. Gleiches gilt, wenn aus gentechnisch verändertem Mais Cornflakes hergestellt werden. In beiden Fällen besteht die Pflicht zur Kennzeichnung der Produkte. Diese strenge Kennzeichnungspflicht muss erhalten bleiben!

Pro & Contra GVO

Befürworter sehen in der Möglichkeit gentechnisch veränderter Lebensmittel eine Lösung für globale Ernährungsprobleme: GVOs könnten höhere Erträge liefern und seien oft resistenter gegen Schädlinge und Krankheiten. Wir sind der Meinung: Viele neue gentechnisch veränderte Pflanzen sind ebenso resistent gegen Pestizide, wie etwa Glyphosat. Das Schicksal unseres Lebensmittelsystems wird dann in den Händen von Bayer-Monsanto und anderen Konzernen liegen. 

Ein weiteres Argument der Befürworter: GVOs könnten so modifiziert werden, dass sie extremen Wetterbedingungen besser standhalten. Wir lehnen die vorgelegte Gentechnik-Verordnung insgesamt ab, denn: Wir wollen vielmehr die Vielfalt des Saatguts bewahren.

Nachteile gentechnisch veränderter Lebensmittel

  • Risiken für die Biodiversität: Die Artenvielfalt schwindet dramatisch, und die Gemüseregale bieten fast nur noch eintönige Auswahl. Schuld daran ist auch die dominante Macht weniger Konzerne im Saatgutmarkt. Ein Verlust der Vielfalt im Saatgut könnte langfristig das gesamte Ökosystem gefährden.
  • Gesundheitsbedenken und fehlende Transparenz: Es fehlen Langzeitstudien zu den Auswirkungen des Konsums gentechnisch veränderter Lebensmittel auf unsere Gesundheit. Die Lockerung der Kennzeichnungspflicht für neue Gentechnikmethoden (NGT) lässt Verbraucher im Unklaren darüber, ob sie GVO konsumieren. Dies ist angesichts der unbekannten Langzeitfolgen inakzeptabel.
  • Monopolstellung der Großkonzerne: Die Agrarindustrie übt massiven Druck auf EU-Institutionen aus, um das Gesetz schnellstmöglich durch das EU-Parlament zu bringen. Das führt zu einer Monopolisierung des Saatgutmarktes durch wenige große Konzerne wie Bayer-Monsanto. Schwächere Vorschriften bedeuten, dass Landwirtschaftsbetriebe zunehmend auf patentiertes Saatgut angewiesen sind, das oft nur in Verbindung mit bestimmten Pestiziden verwendet werden kann.
  • Mangelnde öffentliche Diskussion: Die geplanten Deregulierungen könnten das Vertrauen der Bevölkerung in die Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie weiter untergraben. Es ist undemokratisch und verantwortungslos, solche tiefgreifenden Änderungen ohne ausreichende Prüfung und öffentliche Diskussion durchzusetzen.

Die ÖDP – Die Naturschutzpartei setzt sich daher vehement gegen die Deregulierungsvorhaben der EU ein und fordert obligatorische Sicherheitskontrollen, Transparenz und weitere Kennzeichnung aller GVOs. Mit einer Petition in Bayern wird ein klares Zeichen gesetzt. Es ist an der Zeit, der Agroindustrielobby entgegenzutreten. Die Zukunft der Landwirtschaft liegt in den Händen kleiner landwirtschaftlicher Betriebe, die ohne Patente und Gentechnik arbeiten.

Deutschlandweite Petition

Friends of the Earth Europe und foodwatch International Report (auf englisch)

Autor/in:
Anja Kistler
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