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In den Sand gesetzt? Strategischer und gefährdeter Rohstoff Sand

Sand ist einer der Stoffe, die am häufigsten auf der Erde vorkommen. Er entsteht im Laufe der Zeit durch Verwitterung und besteht aus sehr kleinen Stücken Gestein. Zur Unterscheidung wichtig ist die Größe: Wenn die Sandkörner größer als zwei Millimeter sind, spricht man von Kies. Entscheidend ist außerdem, ob die Sandkörner rund sind, wie beim Wüstensand, oder eher eckig mit rauer Oberfläche, wie im Meer oder Flussbett. Für Beton eignet sich nur der raue Sand.

Sand ist nach Wasser der meistverwendete Rohstoff der Erde: 40 bis 50 Milliarden Tonnen Sand, Kies, Splitt und Schotter werden im Jahr verarbeitet.

Experten rechnen damit, dass der Sand- und Kiesbedarf jedes Jahr um 5,5 Prozent steigt – und zwar allein für Beton. Sand ist außerdem Bestandteil von Lacken, Klebstoffen, Kosmetika, findet sich in Solaranlagen und Computerchips. Konservativen Schätzungen zufolge baut die Menschheit jährlich doppelt so viel ab, wie alle Flüsse der Welt nachliefern.*

Beispiel Singapur: Am 9. August 1965, dem Tag seiner Unabhängigkeit, war der Stadtstaat 581 Quadratkilometer groß. Heute ist er um ein Fünftel größer und wächst weiter. Mehr als 500 Millionen Tonnen Sand wurden zur Landgewinnung im Meer aufgeschüttet. Indonesien, Kambodscha und Malaysia haben inzwischen Exportverbote für ihren Sand erlassen. Als Folge steigen der Sandpreis sowie der Anreiz für illegalen Sandhandel.

Die Folgen des Raubbaus am Sand können schwerwiegend sein, wie die UN-Umweltorganisation UNEP festgestellt hat: Ökosysteme von Küsten- und Flusslandschaften werden geschädigt, Tiere und Pflanzen verlieren ihren Lebensraum, Menschen Nahrungsressourcen. Der Grundwasserspiegel kann sinken, Brunnen versiegen, die Trinkwasserqualität leidet. Die Wahrscheinlichkeit von Dürren steigt durch den Sandabbau weiter.**

Die UNEP warnt, dass trotz des jüngsten Medieninteresses und der von internationalen Organisationen ergriffenen Maßnahmen das Thema Sand und Nachhaltigkeit für Regierungen, Finanzinstitutionen und den Bausektor nach wie vor nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Es geht also darum, so schnell wie möglich passende Lösungen zu entwickeln. In Europa bedeutet das beispielsweise mehr Beton-Recycling, in den Entwicklungsländern muss vor allem die Vergabepraxis für den legalen Abbau entwickelt und der illegale Abbau verhindert werden.

Eine gemeinsame Forschungsarbeit der Universitäten Genf und Queensland ergab, dass Nebenprodukte aus dem Mineralabbau als mögliche Alternative für Sand verwendet werden könnten: Der Abfall des Eisenabbaus weise eine erstaunliche chemische Ähnlichkeit mit natürlichem Sand auf. Zudem besitzt Erzsand einen beinahe neutralen pH-Wert, eine geringe elektrische Leitfähigkeit und gilt zudem als ungiftig.***

Die UNEP gibt u.a. folgende Empfehlungen heraus:

  • Sand müsse als strategischer Rohstoff anerkannt werden, der wichtige Funktionen für eine intakte Umwelt hat. Sandabbau an Küsten sollte ganz verboten werden.
  • Es müsse ein Paradigmenwechsel zu einer regenerativen und kreislauforientierten Bauwirtschaft stattfinden.
  • Es müssten politische und rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, internationale Standards beispielsweise für den Sandabbau auf hoher See.
  • Ökosysteme müssten wiederhergestellt und entstandene Verluste kompensiert werden.

 

*https://www.deutschlandfunk.de/sand-ein-nur-scheinbar-unendlicher-rohstoff-100.html

**https://www.unep.org/resources/report/sand-and-sustainability-10-strategic-recommendations-avert-crisis

***https://www.nationalgeographic.de/umwelt/2022/04/der-sand-wird-knapp-minenrueckstaende-koennten-als-alternative-dienen

Autor/in:
Anja Kistler
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