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Klimagerechtigkeit: Warum man soziale Fragen und den Kampf gegen die Klimakrise nicht trennen kann

Viele wundern sich, wenn sie sehen, wie sich Klimaaktivisten mit Verdi zusammentun oder Fridays for Future-Banner auf Antirassismus-Demos wehen. Sollte sich Klimaaktivismus nicht lieber nur auf ihr Kernthema konzentrieren: den Kampf gegen globale Erwärmung als die eine große Menschheitsbedrohung? Warum werden soziale Themen von Klimabewegten so oft aufgegriffen?

Die Antwort auf die Frage liefert der zentrale Aktionsbegriff der Fridays for Future-Bewegung und ist zeitgleich grundlegend auch für unsere Partei: Klimagerechtigkeit. 

Drei Gründe, warum Soziales und Klimaschutz zusammenhängt

Grund 1: Weil die (historische) Verantwortung ungleich verteilt ist

China stößt derzeit am meisten Treibhausgase aus, danach folgen die USA, dann Indien. Man ist nun schnell dabei, mit dem Finger auf diese drei Staaten zu zeigen und zu fordern, sie müssten mit dem Klimaschutz erst mal vorangehen, bevor kleinere Länder ihren CO2-Ausstoß senken. So einfach darf man sich die Sache aber nicht machen. 

Die Menschheit stößt leider nicht erst seit gestern klimawirksame Treibhausgase aus. Betrachtet man die Emissionen seit 1850, so ergibt sich ein anderes Bild. Die USA sind alleine (!) für ein Viertel der globalen Treibhausgase verantwortlich, die EU für über 18 %, China und Indien nur 12,6 bzw. 4,3 %, Russland für 6,4%. Der Rest der Welt hingegen (also alle anderen Staaten dieser Erde!) haben nur ein Drittel der Gesamtemissionen in der Atmosphäre seit 1850 zu verantworten.*

Deutlich wird: Diese wenigen Staaten haben der Welt die Klimakrise eingebrockt - und davon, aber das nur am Rande, auch mächtig profitiert! Es ist nur fair, wenn wir im Klimaschutz nun mit vorangehen und denStaaten, die z.B. wegen kolonialer Ausbeutung heute wirtschaftlich schlechter dastehen als wir, entsprechend unter die Arme greifen. Sie tragen an der Situation wesentlich weniger Schuld, müssen aber dieselbe Suppe auslöffeln.

Grund 2: Weil nicht alle gleichermaßen unter der Klimakrise leiden (werden)

Während wir in Zentraleuropa die Klimakrise zwar auch schon deutlich spüren (Dürre, deutlich längere Hitzeperioden, immer mehr Unwetter, dafür kein Schnee mehr im Winter), können wir diese Auswirkungen noch mit Geld und Technik verhältnismäßig gut abfedern. Anders sieht das in den Ländern des globalen Südens aus:

Für den sog. Weltrisikobericht wird ermittelt, welche Staaten am stärksten durch Naturereignisse wie Überschwemmungen oder Dürre gefährdet sind. In die Kalkulation fließt aber auch ein, wie gut die Staaten jeweils dagegen gewappnet sind. Es entsteht eine Landkarte der Gefährdung - die höchste zeichnet sich um Australien, in großen Teilen Asiens (v.a. im Südosten), Afrikas und Südamerikas ab.** Paradoxerweise leben dort genau die Menschen, die am wenigsten für die Klimakrise können - sie sind auch diejenigen, die am meisten unter ihr leiden (werden) und am geringsten gegen die Folgen gewappnet sind. 

Das betrifft übrigens nicht nur Länder des globalen Südens: Auch in Deutschland treffen die Folgen der Klimakrise (z.B. steigende Lebensmittelpreise nach Dürre oder Extremwetterereignisse wie Sturmfluten) ärmere Menschen härter: Sie haben weniger finanzielle Rücklagen, sie können sich schwerer anpassen, vielleicht nicht einfach in weniger gefährdete Gebiete umziehen oder ihr Haus neu aufbauen. So öffnet sich die soziale Schere durch die Klimawandelfolgen noch weiter.*** Hingegen sind Menschen mit hohem Einkommen auch bei uns überproportional für Treibhausgasemissionen verantwortlich: Sie verbrauchen achtmal so viel Energie für Mobilität, fast dreimal mehr für Wohnen und Heizen. (Mehr dazu hier in unserer Pressemitteilung) ****

Grund 3: Weil wir beim gesellschaftlichen Wandel alle sozialen Schichten mitnehmen müssen

Auch Klimaschutzmaßnahmen belasten die Bevölkerung natürlich finanziell. Sind Maßnahmen gegen den Klimawandel dann nicht sozialverträglich gestaltet, so wächst automatisch der Widerstand in der Bevölkerung - besonders bei denen, die finanziell schlechter dastehen, die die Maßnahmen also potenziell härter treffen. Hier kommt nun die Politik ins Spiel: Es gibt zahlreiche Ansätze, wie klimaschonende Maßnahmen sozialgerecht gestaltet werden können, wie etwa bei der von uns geforderten Energiepauschale (Mehr dazu hier). 

Klimaschutz darf nicht zulasten finanzschwächerer Menschen gehen, aber soziale Fragen dürfen dem Klimaschutz auch nicht im Weg stehen. Vor allem darf die Politik nicht das eine gegen das andere ausspielen. Langfristig ist Klimapolitik auch die beste Sozialpolitik - bei uns in Deutschland ebenso wie auf globaler Ebene.

 

Quellen:

* www.bmuv.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Broschueren/klimaschutz_zahlen_2021_bf.pdf, S. 14


** www.spiegel.de/wissenschaft/natur/klimawandel-wo-er-am-gefaehrlichsten-ist-a-1286390.html


*** utopia.de/news/klimawandel-studie-klimakrise-vergroessert-die-soziale-schere/ 


**** Mehr zum Thema: www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/wer-mehr-verdient-lebt-meist-umweltschaedlicher


 
Autor/in:
Fenya Kirst
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