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Persönlicher Kommentar

Über den Glauben hinaus: Die Fastenzeit als Zeit für Selbstreflexion und Transformation

Die Fastenzeit von Christen und Muslimen fällt in den kommenden fünf Jahren (2023 bis 2027) in einen ähnlichen Zeitraum: Der islamische Fastenmonat Ramadan hat soeben begonnen, dauert 30 Tage und endet mit dem Zuckerfest am 9. und 10. April. Das Fasten im Ramadan ist die dritte von fünf Säulen des islamischen Glaubens, und damit eine der wichtigsten Grundlagen der Religion. 

Während dieser Fastenzeit verzichten gläubige Muslime zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang darauf, Speisen und Getränke zu sich zu nehmen. Sie stehen vor Sonnenaufgang auf, um zu essen und zu trinken und erst nach Sonnenuntergang beginnt das Fastenbrechen, das mit einem Ramadan-Gebet abgeschlossen wird.

Um Verzicht geht es auch im Christentum, wo die Fastenzeit am Aschermittwoch beginnt und am Ostersonnabend endet, also nach 46 Tagen. Der Aschermittwoch hat seinen Namen von der Asche, mit der die Gläubigen im Gottesdienst gezeichnet werden. Das Aschekreuz auf der Stirn soll den Menschen an seine Vergänglichkeit erinnern. Der Zeitraum selbst erinnert Christen an die Wochen, die Jesus fastend und betend in der Wüste verbracht haben soll.

Und auch hier gibt es eine Unterbrechung vom Fasten: Sechs Sonntage liegen in der österlichen Bußzeit, sie sind von der Fastenzeit ausgenommen. Denn der Sonntag als "Tag des Herrn" erinnert wie ein kleines Osterfest im Alltag an die Auferstehung Jesu.

Und während Orthodoxe Christen gleich vier Fastenzeiten haben, gibt es im Judentum einzelne Fastentage. Der bekannteste ist Jom Kippur, der wichtigste jüdische Feiertag. Buddhistische Mönche und Nonnen wiederum verzichten täglich nach zwölf Uhr mittags auf jegliche Nahrung. Außerdem gibt es monatliche Fastentage.

Zeit für Rückbesinnung und Solidarität

Allen Fastenzeiten gemeinsam ist, dass sie eine Rückbesinnung auf das Wesentliche ermöglichen sollen, Bescheidenheit und Dankbarkeit ausdrücken.  

Bei all diesen Bräuchen wird der Fokus nicht nur auf eine individuelle spirituelle Reise gelegt, sondern auch auf Gemeinschaft und Solidarität. Alle Glaubensrichtungen betonen die Bedeutung des Teilens, der Fürsorge für Bedürftige und der Stärkung der sozialen Bindungen während dieser besonderen Zeiten des Verzichts.

Daher können auch nicht religiöse Menschen einen Sinn in den Bräuchen sehen: Es geht darum, Gewohnheiten aufzubrechen, Raum für Reflexion und damit für Veränderungen zu schaffen. Für die Politik wären solche Zeiten des Innehaltens auf jeden Fall ziemlich empfehlenswert!
 

https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/essen/fasten/pwiereligioesesfasten100.html

Autor/in:
Anja Kistler
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