20.11.2008

ödp fordert Erziehungsgehalt gegen Kinderarmut

„Die zunehmende Kinderarmut ist ein Skandal. Nur ein Erziehungsgehalt kann die Familienarmut wirksam mindern.“ Diese Aussage trifft Dr. Johannes Resch, sozialpolitischer Experte der Ökologisch- Demokratischen Partei (ödp) anlässlich des heutigen Weltkindertages.

Der ödp-Politiker weist darauf hin, dass gegenwärtig 17,3 Prozent (ca. 2,4 Millionen) der Jungen und Mädchen in Deutschland zusammen mit ihren Eltern in Armut lebten. Zum Vergleich: Der Anteil der armen Menschen ohne Kinder liege bei 5,5 Prozent.

In diesen Zahlen spiegle sich die bereits im 5. Familienbericht beklagte „strukturelle Rücksichtslosigkeit gegenüber Familien“ wider. Die familienfeindliche Struktur unseres Sozialsystems bestehe darin, dass die Kinderkosten weiter von den Eltern privat zu tragen seien, während der Gewinn aus der Kindererziehung über die gesetzliche Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung sozialisiert worden sei, so Resch.

Betroffene Kinder leben im Monat von 208 Euro, dem Regelsatz in so genannten Hartz-IV- Familien. Pro Tag stehen etwa 3 Euro für Lebensmittel zur Verfügung (bei unter 14-Jährigen etwas weniger, ab 14 Jahre etwas mehr). Damit könne ein Kind zwar vom Verhungern bewahrt, aber niemals gesund ernährt werden. Durch kostenloses Schulessen oder andere Almosen sei den Kindern kaum geholfen. Vielmehr bräuchten wir eine familiengerechte Sozialstruktur, die Eltern wieder in die Lage versetzt, ihre Kinder selbst ausreichend zu versorgen.

Resch weiter: „Wenn die heutigen Kinder später allen eine Rente zahlen sollen, muss die Kindererziehung heute auch von allen mitfinanziert werden. Das geht nur über ein Erziehungsgehalt, das besonders der Arbeitsbelastung durch kleine oder mehrere Kinder und bei Alleinerziehenden gerecht wird. - Die gegenwärtige Krippenoffensive ist eine Sackgasse, da sie nur einer Minderheit der Familien hilft.“

Auch die seit 2007 geltende Elterngeldregelung habe die Familienarmut weiter verstärkt, da davon nur besser verdienende Eltern profitierten, die Mehrheit aber durch Halbierung des Bezugszeitraums (von zwei Jahre auf ein Jahr) schlechter gestellt sei als bei der früheren Regelung.

„Arme Kinder leiden häufiger an seelischen und körperlichen Krankheiten,“ erläutert der Mediziner Dr. Resch. Die Startchancen für Schule und Beruf und das Leben schlechthin seien bei der Armut der Kinder von vornherein schlechter. Resch fordert: „Dieser Kreislauf muss durchbrochen werden!“

Um die Benachteiligung von Familien zu verhindern, fordert die ödp ein Erziehungsgehalt in Höhe von rund 1000 Euro in den ersten Lebensjahren eines Kindes. Das sei immer noch weniger als ein Krippenplatz kostet. Es verhindere, dass Eltern als Bittsteller vor den Arbeitsämtern stehen, um Arbeitslosengeld II zu beantragen; es vermindere Kinderarmut und schaffe Gleichberechtigung für Eltern. „Eltern erhalten so Wahlfreiheit, ihre Kinder selbst zu betreuen oder mit dem Erziehungsgehalt eine Fremdbetreuung zu finanzieren“, führt Resch aus. Die gegenwärtige und in den letzten Jahren weiter verschlechterte Situation für Kinder und Eltern in Deutschland sei ein Armutszeugnis für die große Koalition, so der ödp-Politiker abschließend.

 

 

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