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Der Klimawandel in Europa: So machen wir in 30 Jahren Urlaub

Sommerzeit, Ferienzeit - wir alle sind in Urlaubsstimmung, die ÖDP-Redaktion natürlich auch. Und weil wir gerne vorausschauend denken, haben wir uns schon mal Gedanken über unseren Urlaub der nächsten Jahrzehnte gemacht. Dass es wegen der Klimakrise immer heißer werden wird, ist mittlerweile fast ein alter Hut, aber wie heiß wird es genau, und was bedeutet das für den Tourismus?

Europa: Es wird warm

"Sonnenbaden an der Nordsee - da gibt es Wettergarantie!" - dieser Satz könnte im Jahr 2050 eine alltägliche Antwort auf die Frage nach dem Urlaubsziel sein. Europa erwärmt sich sogar noch schneller als der Rest der Welt im Schnitt, Hitzewellen wie in diesem Sommer werden bis 2050 auf dem ganzen Kontinent Normalität sein und Nord wie Süd stark verändern.[1]

Betrachtet man beispielhaft den Südwesten Deutschlands: Von den 70ern bis zur Jahrtausendwende gab es im Schnitt 30 Tage mit Temperaturen über 25 Grad, bis 2050 werden es 80 Tage sein, Höchstwerte klettern auf 45 Grad. Hamburg wird ein Klima wie heute Pamplona (Spanien) haben [2], München wie Mailand, London wie Barcelona, Kopenhagen wie Lyon [7], Paris wie Canberra in Australien und Madrid wie Marrakesch. [3]

Der Mittelmeerraum

Besonders im Mittelmeerraum wird die Hitze im Sommer stärker werden und oft die 40 Grad-Marke überschreiten, wie das auch in diesem Jahr schon der Fall war. Die Adria ist bereits heute die reinste Badewanne. Langfristig droht Wasserknappheit im Sommer, Starkregen im Winter, sogar Wüstenbildung ist in Teilen Südeuropas voraussehbar.[4] Langfristig werden sich auch Flora und Fauna dadurch verändern: In wärmerem Wasser z.B. gedeihen Algen und Quallen prächtig. Denkbar ist auch, dass sich durch das immer heißere und trockenere Klima auch Krankheiten wie Malaria in Südeuropa (wieder) ausbreiten.[1]

Die Alpen

Die Prognose: 2050 werden drei Viertel der Gletscher in der Schweiz geschmolzen sein.[1] Skitourismus und Österreich und Süddeutschland findet jetzt schon häufig in lockerer Übergangsjacke auf weiß-beschneiten Schneisen in grüner Berglandschaft statt. Sommertourismus in den Bergen könnte dafür jedoch zunehmen.[4]

Nord- und Ostsee

Hier könnten steigende Temperaturen erst einmal einen positiven Effekt erzielen: Wärmere und trockenere Temperaturen bei stabilerem Wetter (zu Deutsch: Weniger Schmuddel-Regenwetter) könnten die Region für den Tourismus attraktiver machen, so wie bisher das Mittelmeer. Der Anstieg des Meeresspiegels spielt hier, jedenfalls bis 2050, keine große Rolle.[5] Wer jedoch bislang an die Nordsee fährt, gerade weil es dort nicht so sonnig und heiß ist, muss sich vielleicht in der Zukunft ein anderes Urlaubsziel suchen.

Natürlich bringt der Klimawandel aber auch dort Gefahren: Ebenso wie im Mittelmeer begünstigen warme Temperaturen das Wachstum von Quallen und Algen, aber auch potenziell gefährlichen Bakterienkulturen. Besonders ein kleines Meer wie die Ostsee, das von Land weitläufig umschlossen ist, kann stellenweise kippen - das ganze Ökosystem leidet unter den Folgen der Erwärmung. Badespaß wird hier dann schwierig.[6]

Flüsse und Seen

Stehende Gewässer wie Seen oder auch kleinere Flüsse sind besonders in heißerem Klima von Austrocknung oder Verschlammung betroffen. Probleme für Pflanzen und Tiere, die dort angesiedelt sind, ergeben sich entsprechend: Malerische Landschaften können so auch schlicht an touristischer Attraktivität verlieren. Dasselbe gilt für Regionen mit Waldbrand- und Dürregefahr. Das zeigt sich bereits jetzt in den deutschen Mittelgebirgen.[4]

In den Städten

Wer, wie die Autorin dieses Blogartikels, kürzlich versucht hat, in der Betonwüste Madrid bei 43 Grad die Stadt zu besichtigen, weiß, dass das keinen Spaß macht. Städte können im Sommer zu wahren Hitzeinseln werden, besonders wenn sie stark versiegelt sind, wenige Bäume und Grünflächen haben und keine Frischluftschneisen bestehen, die abkühlenden Wind und Luftaustausch ermöglichen.  Nördlich gelegenere Städte könnten von wärmerem Klima touristisch jedoch erst mal profitieren.[4]

Wohin wird sich der Tourismus verlagern?

Die Erkenntnis ist simpel: Unser Urlaub wird sich wahrscheinlich verlagern, und zwar sowohl geografisch als auch innerhalb des Kalenderjahres. Zentral- und Nordeuropa statt Süditalien, Frühsommer und Herbst statt Juli und August. "Auf Mallorca werden womöglich mehr Flugzeuge mit Wasser landen als mit Touristen.", so zitiert die ZEIT Frank Böttcher, Herausgeber des Wettermagazins.[1b]  

Das Paradox: Wir stellen uns hier die Frage nach dem Urlaubsziel - die Antwort führt uns die Ausmaße der Erderwärmung wieder einmal anschaulich vor Augen. Für die, die Urlaub machen, ändert sich Reisezeit und -ziel, für Menschen in Ländern wie Spanien oder Italien, die seit Jahrzehnten vom Tourismus leben, bricht wirtschaftlich ihre Lebensgrundlage weg. Die Folgen wie Starkwetterereignisse, Hitze und steigender Meeresspiegel werden eine im wahrsten Sinne des Wortes existenzielle Bedrohung.

Das ÖDP-Programm für endlich konsequenten Klimaschutz, z.B. hier.

 

Quellen:

[1] https://www.zeit.de/zeit-wissen/2006/06/Serie_2050_-_Umwelt.xml/seite-2  

[1b] https://www.zeit.de/zeit-wissen/2006/06/Serie_2050_-_Umwelt.xml/seite-4 

[2] https://www.deutschlandfunkkultur.de/deutschland-2050-wie-der-klimawandel-unser-leben-veraendern-100.html

[3] https://orf.at/stories/3129860/

[4] https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/344471/zur-zukunft-des-reisens/ 

[5] https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/klimawandel-auswirkungen-wohnen-gesundheit-landwirtschaft-100.html 

[6] https://www.watson.de/nachhaltigkeit/analyse/377584890-urlaub-an-der-ostsee-killerbakterien-und-quallen-werden-zum-problem 

[7] https://katapult-magazin.de/de/artikel/so-warm-werden-staedte-2050-sein 

Autor/in:
Fenya Kirst
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