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Gedanken zur Enzyklika von Papst Franziskus „Fratelli tutti“ - über die Geschwisterlichkeit

Dieter Nießner

Wie schon „Laudato si“ wendet sich der Papst mit einem leidenschaftlichen Aufruf an die ganze Menschheit. In „Laudato si“ rief er auf „die Frage der Gerechtigkeit in die Umweltdiskussion aufzunehmen und die Klagen der Armen ebenso zu hören, wie die Klagen der Erde“. Im folgenden habe ich zusammengetragen, was ich für Kernaussagen von Fratelli tutti halte. Aussagen die mich als Christ in der ÖDP besonders angesprochen haben. Ich denke, dass man sich unabhängig vom Bekenntnis von der Botschaft ansprechen lassen sollte. In Klammern gebe ich die Nummern der Abschnitte an, aus denen ich zitiere.

Das jüngste Schreiben ist ein Appell (nicht nur an die Gläubigen) für eine „Weltordnung der Gerechtigkeit, Geschwisterlichkeit und sozialen Freundschaft“ zu kämpfen.

Zur gegenwärtigen Pandemie sagt er: „Doch der harte, unerwartete Schlag dieser außer Kontrolle geratenen Pandemie hat uns notgedrungen dazu gezwungen, wieder an die Menschen, an alle zu denken anstatt an den Nutzen einiger“ (33) Und: „Ich möchte nicht sagen, dass es sich um eine Art göttlicher Strafe handelt… Es ist die Wirklichkeit selbst, die seufzt und sich auflehnt.“ (34)

Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter geht es um die Frage: Wer ist der Nächste. Der Papst sagt, dies sei ein Bild, das die grundlegende Option hervorhebt, die wir wählen müssen, um diese Welt, an der wir leiden, zu erneuern (67)

Er sieht die Notwendigkeit „über die eigenen Grenzen hinauszugehen“ und fordert trotz der Verschiedenheit der Ethnien, der Gesellschaften und der Kulturen die Berufung, eine Gemeinschaft zu bilden , die aus Geschwistern zusammengesetzt ist, die einander annehmen und füreinander sorgen. (96) „Die Aufgabe besteht nicht nur darin, (Menschen mit Behinderungen) zu helfen, sondern es geht um ihre aktive Teilnahme an der zivilen und kirchlichen Gemeinschaft“ (98).

Wenn er Solidarität fordert, meint er damit „dass man dem Leben aller den Vorrang einräumt ...dass man gegen die strukturellen Ursachen der Armut kämpft: Ungleichheit, das Fehlen von Arbeit, Boden und Wohnung, die Verweigerung der sozialen Rechte und der Arbeitsrechte. Es bedeutet, dass man gegen die zerstörerischen Auswirkungen der Herrschaft des Geldes kämpft.“ (116) Er zitiert Papst Gregor den Großen: „Wenn wir den Armen etwas geben, geben wir nicht etwa etwas von uns , sondern wir geben ihnen zurück, was ihnen gehört,“ (119)

Der Papst fordert eine andere Art des Verständnisses der Beziehungen und des Austauschs zwischen den Ländern: Wenn jeder Mensch mein Bruder oder meine Schwester ist, wenn die Welt wirklich allen gehört, ist es egal, ob jemand hier geboren wurde. Auch meine Nation ist mitverantwortlich für deren Entwicklung,...indem sie sie großzügig aufnimmt, wenn sie sich in einer unvermeidlichen Notlage befinden, indem sie sie in ihren Ländern fördert , indem sie nicht ganze Länder ausbeutet und ihrer natürlichen Ressourcen beraubt … (125)

Über Migration: „Ideal wäre es, wenn unnötige Migration vermieden werden könnte … indem man in den Herkunftsländern Bedingungen für ein Leben in Würde und Wachstum schafft … Solange es jedoch keinen wirklichen Fortschritt in diese Richtung gibt, ist es unsere Pflicht, das Recht eines jeden Menschen zu respektieren, einen Ort zu finden, an dem er nicht nur seinen Grundbedürfnissen … nachkommt, sondern sich als Person voll verwirklichen kann“ (129)

„Wir müssen das Bewusstsein dafür schärfen, dass wir die Probleme unserer Zeit nur gemeinsam oder gar nicht bewältigen werden. Armut, Verfall und die Leiden eines Teils der Erde sind ein stillschweigender Nährboden für Probleme, die letztlich den ganzen Planeten betreffen. (137)

Im Kapitel „Die beste Politik“ beklagt der Papst, dass heute die Politik oftmals den Weg in eine bessere Welt behindert. (154) Besonders kritisiert er Populismus und liberale Sichtweisen. Er sagt: „Der Markt allein löst nicht alle Probleme...“ und „Die Politik darf sich nicht der Wirtschaft unterwerfen“ Populisten verzerren den Begriff „Volk“, so der Papst. „Ein lebendiges, dynamisches Volk mit Zukunft ist jenes, das beständig offen für neue Synthesen bleibt, indem es in sich das aufnimmt, was verschieden ist. Dazu muss es sich nicht selbst verleugnen...“ (160)

Er fordert von der Weltpolitik, unter ihre unverzichtbaren Hauptziele die effektive Beseitigung des Hungers aufzunehmen. „Wenn die Finanzspekulation den Preis für Lebensmittel bestimmt … dann müssen Millionen von Menschen darunter leiden und verhungern“ (189)

Als Leitlinie für Politiker sagt Franziskus: „Langfristig wird die Frage nicht lauten:>Wie viele haben mir zugestimmt, wie viele haben mich gewählt< … Die vielleicht schmerzlichen Fragen werden sein: >Wie viel sozialen Frieden habe ich gesät? Was habe ich an dem Platz, der mir anvertraut wurde, bewirkt?<“(197)

Zur Frage, ob es so etwas wie einen gerechten Krieg gibt äußert er sich eindeutig: „Dass durch die Entwicklung nuklearer, chemischer und biologischer Waffen und den enormen Möglichkeiten der neuen Technologien der Krieg eine außer Kontrolle geratene Zerstörungskraft erreicht hat, die viele unschuldige Zivilisten trifft… Deshalb können wir den Krieg nicht mehr als Lösung betrachten ...“ (258)

„Und mit dem Geld, das für Waffen und andere Militärausgaben verwendet wird, richten wir einen Weltfonds ein, um dem Hunger ein für allemal ein Ende zu setzen ...um die Entwicklung der ärmsten Länder zu fördern… damit ihre Bewohner nicht ihre Länder verlassen müssen, um ein menschenwürdiges Leben zu suchen“ (262).

Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, ein wenig weiter zu sagen, was mich an dieser Enzyklika beeindruckt.

Dieter Nießner,
Bundesarbeitskreis Christen & Ökologie

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