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Persönlicher Kommentar

Die Bahn - so pünktlich wie nie!

Prof. Dr. Herbert Einsiedler

Wäre das nicht eine tolle Schlagzeile - für Bahnfahrer ein Traum. Ein Traum wurde wahr - in unserem Nachbarland, der Schweiz. Rund 94 % aller Personenzüge der Eidgenossen erreichten pünktlich ihr Ziel. Und mit pünktlich meinen die Schweizer pünktlich, nicht wie bei der Deutschen Bahn nicht mehr als 6 Minuten verspätet.

Warum können die das und wir nicht?

Eine Ursache: Die Bahn wurde von 3 CSU-Verkehrsministern in Folge kaputtgespart.  Fährt man ein Unternehmen auf Verschleiß, dann kommt das raus. 2024 hatten lediglich 62,5 % der Züge weniger als 6 Minuten Verspätung, in 2025 ging dies auf 60,1 % zurück. Jahrzehnte verfehlte Politik lässt sich auch nicht mit einem "Sondervermögen" - der richtige Begriff wäre "Sonderkreditaufnahme" lösen. Die Schulden gehen zu Lasten der 3 CSU-Minister: Durch unterlassene Instandhaltung haben diese einen riesigen Realschuldenberg angehäuft, der sich auf die irrwitzige Summe von mindestens 316 Milliarden € beläuft, rechnet man lediglich die Modernisierung und Investition, die erforderlich sind. (Von wegen schwarze Null im Bundeshaushalt, wenn man die "Realschulden" berücksichtigt, also die unterlassenen Instandhaltungen.)

Wo sind nun die Hauptproblembereiche?

80 % der Verspätungen gehen auf mangelhafte Infrastruktur zurück, die Baustellen sorgen für Verzögerungen. Hinzu kommen technische Störungen am veralteten und schlecht gewarteten Schienenfahrzeugen. Die Bahn leistete sich auch den Verzicht auf eine vorausschauende Personalpolitik. Es fehlen massiv Mitarbeitende. Auch wurde das Schienennetz nicht an den Bedarf angepasst.

Mangelhafte Infrastruktur der Bahn behindert nicht nur Fahrgäste und den Klimaschutz - er ist auch ein massives Hemmnis für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Pünktlichkeit ist nicht etwa nur "nett", es ist für Abläufe unabdingbar. 

Die Bahn ist auf dem Weg, durch Sanierung, Netzausbau, Modernisierung und neue Fahrzeuge Abhilfe zu schaffen. Aber dieser Ansatz springt viel zu kurz. Die Versäumnisse vieler Jahre können mit diesen Maßnahmen nicht zügig nachgeholt werden. Hier sind weitaus größere Investitionen erforderlich, um überhaupt einen annehmbaren Status Quo zu erreichen. Von einer "Verkehrswende" ist diese Mangelbeseitigung noch weit entfernt.

Deutschland braucht jedoch eine Verkehrswende! Nicht nur für das Klima. Nicht nur für den Wirtschaftsstandort. Es geht auch um die Menschen! Im Auto sterben pro Jahr etwa 50 bis 56 Mal so viele Menschen wie in der Bahn. Pro einer Milliarde Personenkilometer sterben im Auto ca. 2 Menschen, in der Bahn 0,03. Alleine diese Zahl sollte Ansporn sein, vom gefährlichen Verkehrsmittel Auto auf die sichere Bahn umzusteigen.

Es gibt viele gute Gründe, den Öffentlichen Verkehr zu fördern. Nur: Der politische Wille fehlt.Beliebtes Argument: Arbeitsplätze.

Der Ausbau der Bahn wäre auch eine Antwort auf die Schwäche der Automobilindustrie. Es gibt in Deutschland eine große Zahl von Beschäftigten im Umfeld der Bahn: Bahnverkehr ca. 309.000, Schienenfahrzeugbau ca. 54.000 und Bahn- und Gleisbau ca. 60.000; also in Summe ca. 423.000 Arbeitsplätze.

Die Untersuchungen der "Allianz pro Schiene", der "Hans-Böckler-Stiftung" und der "Agora Verkehrswende" ergeben ein zusätzliches Beschäftigungspotential von 150.000 bis 250.000 Arbeitsplätzen in Deutschland in Folge einer verstärkten Förderung des Schienenverkehrs; Exportpotential der Schienentechnologie noch nicht mit gerechnet.

Die Vernachlässigung der Schiene liegt somit nicht in wirtschaftlicher und beschäftigungspolitischer Notwendigkeiten, sondern ist überwiegend ideologisch geprägt. Ideologiefrei ist eine politische Entscheidung pro Bahn geboten. Aber wir haben ja Ideologen in der Bundesregierung.

Prof. Dr. Herbert Einsiedler

Autor/in:
Prof. Dr. Herbert Einsiedler
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