Persönlicher Kommentar
Die Qual der Wa(h)l
Prof. Dr. Claus Jakob
Da ist er wieder in den Nachrichten, der Fisch der keiner ist. Ja, es geht um Timmy, früher als Walfisch, heute nur noch als Wal bekannt, so wie Uncle Ben‘s heute nur noch Ben‘s heißt, mit dem Unterschied, dass von dem Wal, der kein Fisch ist, sondern Fisch isst, die Photos noch immer gegenwärtig sind. Es war in der Tat beeindruckend: seine vielen Retterinnen und Retter, die Menschen- und Lichterketten und Aktionen, Pressekonferenzen und Beiträge in Film, Funk und Fernsehen, von den social media gar nicht zu reden. Es wurde auch viel gesungen, angeblich auch von Timmy, herzzerreißend in der Tat. Die KI spricht von rund 1,5 Millionen Euro, die diese Rettungsaktion mindestens gekostet hat.
Und sie spricht auch von knapp einer Million Menschen, die in just diesem Monat der vermeintlichen Wal-Rettung an den direkten oder indirekten Folgen von Hunger global gestorben sind, Mitmenschen, im Gegensatz zu Timmy für uns weit weg und ohne Namen, Gesichter und GPS Sender. Unangenehme Fragen drängen sich auf. Wie viele Jimmys und Mimmys in Afrika hätten mit 1,5 Millionen Euro gerettet werden können? Wo ist die Begeisterung, wo sind die Menschenketten und Kerzen, wenn es um die Rettung von hungernden Menschen geht?
Nur damit wir uns nicht missverstehen: Selbstverständlich müssen wir viel Geld für Natur-, Umwelt- und Tierschutz ausgeben, um zu retten, was noch zu retten ist. Und selbstverständlich wären die 1,5 Millionen nicht automatisch in andere humanitäre Projekte geflossen, immerhin war Timmy ja etwas ganz Besonderes. Nur war er das wirklich? Ich mache mir da so meine Gedanken, Gedanken über das richtige Maß, Nächstenliebe, unser soziales Miteinander und unser Gemeinwohl. Wie heißt es doch im Evangelium? Jesus sättigt eine Menschenmenge mit fünf Broten und zwei Fischen! Und eben nicht umgekehrt. Zumal: Der Wal wollte vielleicht gar nicht rumgeschippert werden, sondern einfach nur seine Ruhe haben, die hungernden Menschen in Afrika hingegen wollen leben! Vielleicht lohnt es sich, auch darüber einmal nachzudenken?
Prof. Dr. Claus Jacob,
Landesvorsitzender der ÖDP Saar

