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Persönlicher Kommentar

Die Rente ist sicher?

Kirsten Elisabeth Jäkel

Vertrauen entsteht nicht über Nacht. Es wächst über Jahrzehnte – durch Arbeit, Verlässlichkeit und das Einhalten von Zusagen.

Viele Menschen der Babyboomer-Generation haben ihr Berufsleben nun fast geschafft. Sie haben früh angefangen zu arbeiten, über Jahrzehnte Beiträge gezahlt und darauf vertraut, dass die Regeln gelten, die ihnen immer wieder zugesichert wurden. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren war für viele kein Privileg, sondern die Anerkennung einer langen Lebensleistung. „die Rente ist sicher!“... Dieser Ausspruch dürfte noch vielen im Ohr klingen, die aus dieser Generation kommen. 

Nun liegen die Empfehlungen der Rentenkommission auf dem Tisch – und sie hinterlassen bei vielen vor allem eines: Frustration.

Ausgerechnet diejenigen, die kurz vor dem Ruhestand stehen und ihre Lebensplanung längst abgeschlossen haben, sollen ihre Ziele erneut nach hinten verschieben. Was über viele Jahre als verlässliche Perspektive galt, wird plötzlich infrage gestellt. Wer sein Arbeitsleben auf dieser Grundlage geplant hat, empfindet das nicht als Reform, sondern als Vertrauensbruch.

Noch schwerer fällt vielen zu akzeptieren, dass gleichzeitig nicht alle Versorgungssysteme gleichermaßen auf den Prüfstand gestellt werden. Während langjährig Versicherte zusätzliche Belastungen tragen sollen, bleiben andere Bereiche weitgehend unangetastet oder sollen lediglich „wirkungsgleich“ reformiert werden. Das hinterlässt den Eindruck, dass die Lasten erneut ungleich verteilt werden.

Natürlich braucht die gesetzliche Rentenversicherung Reformen. Die demografische Entwicklung lässt sich nicht wegdiskutieren. Aber Reformen dürfen nicht den Eindruck erwecken, dass diejenigen die Rechnung bezahlen, die ihr gesamtes Berufsleben ihren Teil geleistet und auf politische Zusagen vertraut haben.

Ein funktionierender Generationenvertrag lebt nicht nur von Zahlen und Berechnungen. Er lebt vor allem von Vertrauen. Wenn dieses Vertrauen verloren geht, ist der Schaden größer als jede kurzfristige Einsparung.

Vielleicht ist das der eigentliche Gedanke zum Wochenbeginn: Ein Staat darf seine Regeln ändern. Aber er sollte nie vergessen, dass hinter jeder Regel Menschen stehen, die ihr Leben danach ausgerichtet haben. Wer Vertrauen verspielt, spart vielleicht heute Geld – verliert aber etwas, das sich morgen kaum zurückgewinnen lässt.

Kirsten Elisabeth Jäkel
1. Stellvertretende Bundesvorsitzende der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP)

Autor/in:
Kirsten Elisabeth Jäkel
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