Zur Hauptnavigation springen Zum Hauptinhalt springen

Persönlicher Kommentar

Hitzeschutz – mangelhaft!

Prof. Dr. Herbert Einsiedler

Es war heiß – es ist heiß – und es wird wieder heißer werden – so viel ist sicher.

Herzpatienten liegen frisch operiert auf Station – bei 38,2 Grad. So geschehen in der UniKlinik Düsseldorf, gemessen von einem Reporter der RP. In Dormagen wurden in Folge der Hitzewelle 16 Bewohnerinnen und Bewohner ins Krankenhaus gebracht. Bei der Bahn brach der Verkehr bei knapp unter 40 Grad großflächig zusammen. Da die Klimaanlagen der ICEs nicht auf diese Temperaturen ausgelegt sind, fielen überlastete Klimaanlagen aus. Lt. Auskunft im Zug lassen sich diese dann auch in älteren Baureihen nicht mehr starten. Wagen wurden geräumt und Fahrgäste zu Hunderten von den überhitzten Wagen auf den noch weit heißeren Bahnsteig verfrachtet. Der Belag von Straßen und Autobahnen brachen hitzebedingt auf. Dies führt nicht nur zu Verkehrsstörungen – und das bei extremer Hitze – es gefährdet auch das Leben und die Gesundheit der Verkehrsteilnehmer.

Diese Aufzählung lässt sich beliebig fortsetzen. 

Hitze ist nicht nur unangenehm – sie ist für die Gesundheit nicht zuträglich, ja lebensgefährlich. Und die Hitze kommt nicht einfach so. Sie ist ein Ergebnis des menschenverursachten Klimawandels. Und dieser schreitet voran. Das Ergebnis der Versäumnisse in der Klimapolitik zwingt uns zum Handeln im Hitzeschutz.

Der Deutsche Wetterdienst meldete jungst an 3 Tagen hintereinander einen neuen Temperaturrekord. Dieser liegt jetzt bei 41,7 Grad – wohlgemerkt im Schatten.

Laut WHO werden Temperaturen über 30 Grad für viele Menschen zu einer tödlichen Gefahr. Hierbei sind nicht nur die Top-Temperaturen gefährlich, sondern auch die fehlende Abkühlung bei Nacht. Diese Kombination führt zu einem Dauerhitzestress.

Die WHO schätzt die Zahl der hitzebedingten Todesfälle seit dem 21. Juni bis zum 29. Juni auf 1.300, so der WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Am 27.6.26 teilte das französische Gesundheitsministerium mit, dass es in den 5 Tagen extremer Hitze zu rund 1.000 Todesfälle mehr in Frankreich gekommen ist, als erwartet. Belastbare aktuelle Zahlen für Deutschland liegen (noch) nicht vor. Das RKI schätzt für 2018 die Zahl der Hitzetoten auf 8.400. 2019 meldet das RKI 7000 Todesfälle. Insbesondere sind Menschen über 75 Jahren und vorbelastete betroffen.

Hitzeschutz ist somit kein nice-to-have. Hitzewellen kosten Menschenleben. Daher sind Hitzepläne zwingend für den Schutz von Mensch und Tier erforderlich.

Und was wird getan? Ein öffentlicher Trinkbrunnen und Beschattungen sind ein wichtiger Schritt, aber bei weitem noch nicht ausreichend. Solange wir unsere Städte versiegeln und nicht ausreichend begrünen, wird kein ausreichender Hitzeschutz möglich sein. Stadtbegrünung und Entsiegelung sind keine Forderung von Naturromantikern. Dies ist ein zwingendes Erfordernis zum Schutz von Gesundheit und Leben. Wer weiterhin Flächenversiegelung vorantreibt, gefährdet Menschenleben!

Wer weiterhin Kliniken und Altenheime ohne ausreichenden Hitzeschutz baut und betreibt nimmt billigend die Gefahren in Kauf. Wer in Zügen an der Klimatisierung spart, setzt die Bahn und deren Fahrgäste einem inakzeptablen Risiko aus. Etc. Wer es wissen will, kann es wissen, dass es so nicht mehr weitergeht.

Ja, Deutschland hitzefest machen kostet Geld, einfach so weitermachen kostet aber Menschenleben, und zwar tausende.

Also, alle Verantwortlichen von der Kommune bis zum Bund: Handelt - eigentlich ist es schon zu spät, aber schnelle Schadenbegrenzung bitte jetzt!

Prof. Dr. Herbert Einsiedler

Autor/in:
Prof. Dr. Herbert Einsiedler
Zurück