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Persönlicher Kommentar

Überfüllte Tierheime: Deutschland muss jetzt handeln – Ein europäisches Gesetz hilft

Unsere Tierheime stehen am Limit. Viele Einrichtungen können bereits keine Fundtiere mehr aufnehmen, die Zahl ausgesetzter oder herrenloser Tiere steigt ständig. Kommunen und Tierheime tragen die Kosten und Verantwortung oft allein – und die Situation spitzt sich weiter zu. Einige Bürgerinnen und Bürger geben Fundkatzen inzwischen in Zoos ab, weil Tierheimen und Katzenhilfen keine Kapazitäten mehr haben!
 
Hier setzt das neue EU-Gesetz zum Schutz von Hunden und Katzen an, das im April 2026 verabschiedet wird. Als Berichterstatterin des Umweltausschusses im EU-Parlament habe ich erreicht, dass alle privat gehaltenen Katzen und Hunde gechippt und in einer Datenbank registriert werden müssen. Die nationalen Datenbanken werden europaweit verknüpft. Damit wird erstmals klar nachvollziehbar, wem ein Tier gehört und woher es stammt.
 
Die Vorteile sind vielfältig:
•    Tierheime können entlaufene Tiere schneller ihren Haltern zuordnen.
•    Kommunen sparen Geld, weil weniger Tiere dauerhaft versorgt werden müssen.
•    Das Streunerproblem wird eingedämmt, die verantwortungsvolle Tierhaltung gestärkt.
•    Die Ausbreitung von Tierkrankheiten wird gebremst.
 
Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt: Der illegale Welpenhandel ist ein Milliardengeschäft. Kranke, misshandelte oder viel zu junge Tiere werden häufig quer durch Europa transportiert. Die lückenlose Chip- und Registrierungspflicht hilft auch hier. Gerade der Onlinehandel, über den mittlerweile 60 Prozent aller Tierkäufe laufen - unter ihnen leider auch zwielichtige Geschäfte -, wird durch das neue Gesetz transparenter.
 
Doch eines ist klar: Deutschland darf jetzt nicht auf die Bremse treten.
 
Die EU-Verordnung enthält Übergangsfristen für das Chippen und Registrieren von bis zu zehn Jahren (Hunde) und 15 Jahren (Katzen). So lange können unsere Tierheime nicht warten. Viele Bundesländer und Kommunen sind schon vorangegangen! Deutschland sollte eine allgemeine Chip- und Registrierungspflicht einführen, sobald das neue EU-Gesetz in Kraft ist. Das würde nicht nur das Tierwohl stärken, sondern sich auch positiv in den öffentlichen Kassen bemerkbar machen.

Manuela Ripa,
Mitglied des Europäischen Parlaments,
Mitglied des ÖDP-Bundesvorstands

Autor/in:
Manuela Ripa
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