Stellungnahme
ÖDP zur Erhöhung der Krankenkassenbeiträge
Stellungnahme des ÖDP-Bundesarbeitskreises Gesundheit
Wieder einmal wurden die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung deutlich angehoben, bei einigen Kassen um bis zu 3 %. Es ist ja auch so einfach, sich bei den Versicherten zu bedienen, sobald in den Kassen ein Defizit auftaucht.
Wie steht es aber mit Vorschlägen zur Einsparung? Wer stellt die Frage nach den Ursachen
der rapid steigenden Zivilisationskrankheiten? Wer fordert bessere Umweltbedingungen im Zusammenhang mit manchen Erkrankungen? Wer stellt die Frage nach effizienter und preiswerter Medizin? Warum wird in Deutschland so viel operiert und so wenig informiert? Warum funktioniert die Vorsorge nicht?
Der BAK Gesundheit in der ÖDP hat sich mit all diesen Fragen beschäftigt und die Antworten in seinem Schreiben zum „Ganzheitlichen Gesundheitssystem“ behandelt.
Eine ganzheitliche Herangehensweise ist nach unserer Meinung auch der Schlüssel für ein effizienteres Gesundheitssystem, Effizienz hinsichtlich des Verhältnisses von Ausgaben zu den messbaren gesundheitlichen Fortschritten.
Wir fordern z.B. ein funktionierendes Hausarzt- bzw. Primärarztsystem und wollen mit der Gesundheitsbildung schon sehr früh – also bereits bei der Schwangerenberatung und in den Kitas – ansetzen.
Da ein Großteil der chronischen Krankheiten im Konsum von Industrienahrung und modernen Lebensgewohnheiten ihren Ursprung hat, fordern wir generell viel mehr Verbraucheraufklärung - besonders im Hinblick auf stark verarbeiteter Industrienahrung und deren Anbaubedingungen.
Als Ökopartei legen wir auch besonderes Augenmerk auf die umwelt- und stressbedingten Ursachen von Krankheiten.
Wir sind der Überzeugung, dass durch rechtzeitige, ganzheitliche und ursächliche Therapie
das Fortschreiten von Krankheiten verlangsamt und sogar gestoppt werden kann. Diabetiker könnten z.B. vor der Spritze bewahrt werden, Allergien könnten ausgeheilt werden. So manche der teuren Hüft- und Knie-OPs ließen sich vermeiden. Daher ist ein vertrauensvolles, aufgeklärtes Arzt-Patientenverhältnis besonders zu fördern. Hierfür brauchen die Hausärzte besonders in ländlichen Gegenden mehr Zeit und personelle Entlastung. Aber auch die Ausbildung der Ärzte insgesamt braucht mehr industrie-unabhängige Forschung, für deren Kosten Bund und Länder aufkommen.
Generell müssten die Gesundheitskosten gerechter verteilt werden indem alle Einkommensarten herangezogen werden. Auch die die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze sollte kein Tabu mehr sein. Und wozu brauchen wir die beinahe 100 Gesetzlichen Krankenversicherungen? Würden es nicht auch 10 tun?
Völlig unangebracht, wenn die Kassen laut Bildbericht dann bei den eigenen Vorstandsgehältern nicht sparen und sogar ihren Vorständen zusätzlich zu den Spitzengehältern noch bis zu 62.576 Euro Boni pro Jahr auszahlen.
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/bild-meldet-hammer-gehaelter-der-kassenchefs-163473/
Die höchsten Boni gab es demnach bei der AOK Niedersachsen; sie lagen laut dem Blatt für die drei Vorstände zwischen 38.381 und 62.576 Euro. Plus auch beim Zusatzbeitrag: von 1,5 auf 2,7 Prozent.
In fett gedruckten Buchstaben schließt »Bild« die Riege mit weiteren Boni-Aufzählungen: insgesamt 159.767 Euro Boni für die drei Vorstände der AOK Hessen, Zusatzbeitrag von 1,6 auf 2,49 Prozent gestiegen. Die AOK Plus habe Vorständen 52.920 und 51.912 Euro an Boni gezahlt, gleichzeitig den Zusatzbeitrag von 1,8 auf 3,1 Prozent erhöht. Der Siemens-BKK-Chef habe einen Bonus von 47.880 Euro bekommen, die Zusatzbeiträge seien von 1,7 auf 2,9 Prozent gestiegen.
Siehe auch:
Der Chef der Techniker Krankenkasse, der mit zwölf Millionen Versicherten größten Krankenkasse Deutschlands hält weitere Erhöhungen in den folgenden Jahren für wahrscheinlich. Es werde "schlimmer weitergehen", so Baas, "im nächsten Jahr fehlen uns zehn Milliarden Euro".
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/gesundheitssystem-krankenkassenbeitraege-baas-100.html